Amazon kommt seit dem Rekordhoch nach den starken August-Zahlen nicht mehr in Schwung. Vom KI-Hype, der derzeit viele Tech-Werte beflügelt, konnte die Aktie bislang kaum profitieren. Wolfe Research widerspricht dieser Zurückhaltung jetzt deutlich.
Analystin Shweta Khajuria bleibt langfristig bullish und begründet das vor allem mit dem Cloud-Dienst Bedrock, über den Entwickler Anwendungen für generative KI bauen können. Selbst eine Verschiebung des Marktes hin zu Open-Weight-Modellen dürfte dem Wachstum dort nicht schaden, so ihre Einschätzung. Bis 2027 traut sie Bedrock Margen von über 50 Prozent zu.
Wolfe Research bestätigt das Rating „Outperform“ und hebt das Kursziel von 315 auf 320 Dollar an. Das liegt rund 26 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag. Neben der Cloud-Sparte verweist Khajuria auf mehrere weitere Wachstumshebel: ein verbessertes Lieferkettenmanagement im Einzelhandel, Marktanteilsgewinne im E-Commerce durch schnellere Lieferzeiten sowie Impulse aus Prime Video, Alexa+, Amazon Logistics und dem Robotik-Bereich Kiper.
Neuer KI-Agent für Drittanbieter
Operativ untermauert Amazon diese Wachstumsstory mit einer neuen Produktankündigung. Der Konzern hat einen KI-gestützten „Seller Assistant“ vorgestellt, der Drittanbietern beim Einstellen von Produkten, der Bestandsüberwachung und bei Handlungsempfehlungen helfen soll. Der Dienst läuft dauerhaft im Hintergrund und meldet sich etwa bei plötzlichen Bewertungseinbrüchen oder auffälligen Preisbewegungen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Rund die Hälfte des Handelsvolumens auf der Plattform stammt von Drittanbietern. Ein effizienterer Marktplatz stärkt die Bindung dieser Händler an Amazon und liefert dem Konzern gleichzeitig mehr Daten über Nachfrage und Markttrends. Zum Start unterstützt der Agent unter anderem Anthropics Claude, was auf eine offene Plug-in-Architektur für externe KI-Tools setzt.
Der Wettbewerb schläft dabei nicht. Microsoft, Google und spezialisierte Anbieter treiben eigene Agenten-Lösungen für Unternehmen voran. Welche Plattform am Ende die meisten Nutzer gewinnt, dürfte sich erst über die Zuverlässigkeit im Alltagseinsatz entscheiden.
Zusätzlich baut Amazon sein Werbegeschäft aus: Eine erweiterte Partnerschaft mit Best Buy bringt die Fire-TV-Erfahrung auf Insignia-Fernseher und öffnet ab Februar 2027 neue programmatische Werbeflächen über Best Buy Ads.
Die Kombination aus Analysten-Rückenwind und konkreten Produktoffensiven zeigt, worauf Amazon aktuell setzt: KI nicht nur als Cloud-Geschäft, sondern als Werkzeug, das E-Commerce und Werbung gleichermaßen effizienter macht. Ob das reicht, um den seit August anhaltenden Abwärtstrend zu drehen, hängt nun stark davon ab, wie schnell sich diese Investitionen in sichtbarem Umsatzwachstum niederschlagen.
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