Andy Jassy hat geliefert, keine Frage. AWS wächst um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar, das Werbegeschäft legt 24 Prozent zu, der Gewinn je Aktie kommt bei 2,78 Dollar rein, wo Analysten gerade mal 1,64 Dollar erwartet hatten. Und trotzdem fiel die Amazon-Aktie zunächst, bevor sie im nachbörslichen Handel doch noch ins Plus drehte (+2,76%). Das sagt einiges über den Zustand dieser Rally.
28 Prozent, und trotzdem nicht genug?
Jesse Cohen von Investing.com lobte die „signifikante Wiederbeschleunigung beim AWS-Wachstum“ als die Geschichte des Abends. Amazons Kunden, so Cohen, „umarmen neue Workloads, ganz besonders im KI-Bereich.“ Das klingt gut. Nur hat Gil Luria von D.A. Davidson sofort nachgezogen und darauf hingewiesen, dass Google Cloud im selben Quartal um 63 Prozent gewachsen ist. Auf 20 Milliarden Dollar. Wer das im Hinterkopf behält, sieht das 28-Prozent-Wachstum bei AWS in einem etwas anderen Licht.
Amazon bleibt der weltgrößte Cloud-Anbieter. Aber das Tempo der Konkurrenz drückt.
Der Haken: 44 Milliarden Capex, 1,2 Milliarden freier Cashflow
Hier liegt der eigentliche Knackpunkt. Die Investitionsausgaben lagen im ersten Quartal bei 44,2 Milliarden Dollar, mehr als 76 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und noch über der Analystenerwartung von 41,4 Milliarden. Der freie Cashflow der letzten zwölf Monate ist derweil um 95 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar eingebrochen. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das eine Zahl, die man zweimal lesen muss.
Jassy hat in seinem Aktionärsbrief bereits vorgewarnt: Ein Großteil der Ausgaben von 2026 werde erst 2027 und 2028 monetarisiert. Das ist eine ehrliche Ansage, aber eben auch eine, die Geduld kostet.
Amazon Aktie Chart
OpenAI, Anthropic, 200 Milliarden Dollar
Amazon hält am Investitionsziel von 200 Milliarden Dollar für dieses Jahr fest. Vergangene Woche schloss das Unternehmen einen Deal, bis zu 25 Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren, während sich Anthropic verpflichtet hat, in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar auf AWS auszugeben. Dazu kommen seit Dienstag alle aktuellen OpenAI-Modelle auf AWS, nachdem sich die Bande zwischen OpenAI und Microsoft etwas gelockert haben. KI-Umsätze bei AWS generieren laut Amazon bereits mehr als 15 Milliarden Dollar annualisiert.
Die Prognose für das laufende Quartal liegt bei 194 bis 199 Milliarden Dollar Umsatz, der Konsens hatte 188,9 Milliarden erwartet. Das ist ein ordentlicher Puffer. Ob er reicht, um die Frage zu beantworten, wann aus den 200 Milliarden Ausgaben echte Rendite wird, ist eine andere Sache. 95 Prozent weniger freier Cashflow als Antwort auf 28 Prozent mehr Cloud-Wachstum: So sieht ein Wetteinsatz aus, kein Beweis.
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