Amazon verliert am Donnerstag deutlicher als der breite Markt — und das an einem Tag, an dem auch andere Schwergewichte im Dow Jones spürbar nachgeben. Ausgerechnet während der Konzern eine neue Wachstumsinitiative im Cloud Gaming vorstellt, rutscht die Aktie um 4,42 Prozent ab und landet damit auf dem letzten Platz unter den Dow-Werten des Tages.
Breiter Ausverkauf erfasst Tech-Schwergewichte
Amazon steht mit seinem Kursrückgang nicht allein da. Salesforce verliert 4,17 Prozent, Walt Disney gibt um 3,02 Prozent nach, Microsoft und Nvidia rutschen jeweils um rund zwei Prozent ab. Der breite Rückgang deutet auf eine sektorweite Verunsicherung hin, die über amazon-spezifische Themen hinausgeht — auf Monatssicht steht die Aktie mit einem Plus von 5,90 Prozent aber weiterhin besser da als viele der übrigen Verlierer des Tages.
Zusätzlichen Gegenwind liefert die laufende Untersuchung eines US-Senatsausschusses zu mutmaßlicher chinesischer Einflussnahme auf den Amazon-Marktplatz. Der Ausschuss für Kleinunternehmen prüft Vorwürfe, wonach Mitarbeiter in China Zahlungen von Drittanbietern für eine Vorzugsbehandlung angenommen haben sollen — betroffen wäre ein Marktplatz-Segment, auf das rund 60 Prozent aller verkauften Produkte entfallen. Offizielle Ergebnisse hat der Ausschuss bislang nicht veröffentlicht, das Risiko bleibt damit vorerst diffus.
Luna rückt ins Rampenlicht von Prime Video
Parallel zur schwachen Kursentwicklung treibt Amazon seine Cloud-Gaming-Strategie voran. Der Streaming-Dienst Luna soll künftig direkt in Prime Video eingebunden werden und damit prominenter platziert sein als bisher, wo er nur über eine eigene Website erreichbar war. Amazon zielt dabei explizit auf Gelegenheitsspieler mit bekannten Marken wie „Harry Potter“ oder „Tomb Raider“ — nicht auf Hardcore-Gamer oder einen direkten Wettbewerb mit Konsolenherstellern.
Das Gaming-Geschäft blieb für Amazon zuletzt ein Sorgenkind: Personalabbau, Führungswechsel und eingestellte Projekte wie das Multiplayer-Spiel „New World“ prägten die Bilanz. Nach Unternehmensangaben zählt Luna aktuell „Millionen“ Nutzer in 14 Ländern, das Ziel liegt bei 10 bis 20 Millionen.
Abseits des operativen Geschehens sorgt zudem ein Bericht für Aufmerksamkeit, wonach Amazon-Gründer Jeff Bezos eine Minderheitsbeteiligung am FC Liverpool prüft — als Teil eines Investorenkonsortiums, das mit Club-Eigentümer Fenway Sports Group verhandelt. Ein direkter Bezug zum operativen Geschäft des Konzerns besteht nicht, das Engagement betrifft Bezos privat.
Ob die Senatsuntersuchung ihre bislang unter Verschluss gehaltenen Ergebnisse veröffentlicht, dürfte der nächste Punkt sein, den Anleger und betroffene Händler auf dem Marktplatz im Blick behalten.
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