Amazon räumt seine KI-Landschaft auf. Mit Alexa for Shopping verschwindet die Marke Rufus, während der Konzern seine Einkaufsassistenz über App, Web und Echo-Geräte bündelt. Dahinter steckt mehr als ein neuer Produktname: Amazon will die Kundenschnittstelle im KI-Zeitalter enger an den eigenen Marktplatz binden.
Ein Assistent für den gesamten Einkauf
Am 13. Mai hat Amazon Alexa for Shopping gestartet. Die neue Oberfläche verbindet den bisherigen Rufus-Chatbot mit Alexa+ und soll als einheitliches KI-System für Produktsuche, Beratung und Kaufabwicklung dienen. Prime ist dafür nicht nötig.
Rufus hatte bereits eine beachtliche Reichweite. Im Jahr 2025 erreichte der Assistent mehr als 300 Millionen Nutzer, die monatlich aktiven Nutzer legten um 115 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Amazon gibt diese Nutzerbasis nun nicht auf, sondern überführt sie in eine breitere Alexa-Architektur.
Die neuen Funktionen zielen direkt auf den Kaufprozess. Dazu gehören automatische Preisüberwachung, ein Automatikkauf bei erreichten Zielpreisen, geplante Nachbestellungen für Haushaltswaren und personalisierte Einkaufsführer. Das ist nah am Kerngeschäft – und weniger Spielerei als Infrastruktur für wiederkehrende Umsätze.
Der Schritt ist auch eine Antwort auf den Druck durch KI-Plattformen, die E-Commerce-Funktionen stärker in ihre Assistenten integrieren. Wenn Produktsuche und Kaufentscheidung künftig stärker über KI-Dialoge laufen, darf Amazon diesen Einstiegspunkt nicht verlieren.
AWS macht KI operativer
Auch im Unternehmenskundengeschäft baut Amazon aus. Die Cloud-Sparte AWS erweitert Amazon Connect um vier spezialisierte agentische KI-Lösungen: Connect Decisions für Lieferketten, Connect Talent für Recruiting, Connect Customer für Konversations-KI und Connect Health für Anwendungen im Gesundheitssektor.
Der Fokus liegt auf Automatisierung komplexer Arbeitsabläufe. Besonders auffällig ist Connect Talent: Die Lösung soll Einstellungsprozesse von Wochen auf Tage verkürzen. Das passt zur aktuellen Nachfrage von Unternehmen, KI nicht nur als Chatbot, sondern als Werkzeug für konkrete Prozesse einzusetzen.
Erste Kunden setzen die Systeme bereits ein, darunter United Airlines und U.S. Bank. United Airlines brachte das Kundenservice-Modul innerhalb von drei Monaten in den Einsatz. Das dürfte für AWS wichtig sein, denn Cloud-Kunden verlangen zunehmend messbare Produktivität statt reiner KI-Demonstrationen.
Aktie hält sich trotz Ausgabenlast
Die Amazon-Aktie notiert am Mittwoch bei 226,30 Euro und damit nahezu unverändert. Auf Monatssicht steht weiter ein Plus von 11,18 Prozent, seit Jahresanfang sind es 17,06 Prozent.
Der Kurs spiegelt damit zwei gegenläufige Kräfte. Auf der einen Seite erweitert Amazon sein KI-Ökosystem im Handel und in der Cloud. Auf der anderen Seite bleibt der Kapitalbedarf enorm: Die Investitionen sollen in diesem Jahr rund 200 Milliarden Dollar erreichen, ein Großteil davon für KI-Infrastruktur und Rechenzentren.
Branchenweit werden für KI-Infrastruktur Ausgaben von etwa 700 Milliarden Dollar erwartet. TD Cowen bleibt dennoch konstruktiv und nennt für die Aktie ein Kursziel von 350 Dollar. Technisch hilft, dass der jüngste Aufwärtstrend intakt wirkt; die Bewertung hängt aber stärker denn je daran, ob aus KI-Funktionen auch zusätzliche Nutzung und höhere Effizienz entstehen.
Kurzfristig zählen nun zwei Punkte: die Migration der Rufus-Nutzer in Alexa for Shopping und die Akzeptanz der neuen AWS-Agenten bei Unternehmenskunden. Gelingt Amazon beides, bekommt die hohe Infrastrukturrechnung eine klarere Begründung. Bleibt die Nutzung hinter der Reichweite zurück, rückt der Kostendruck schneller in den Vordergrund.
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