Die Cloud-Tochter AWS könnte für den E-Commerce-Riesen Amazon in den kommenden Jahren zum entscheidenden Faktor für eine massive Neubewertung an der Börse werden. Nach Einschätzung von Morgan Stanley befindet sich die Sparte auf einem Pfad, der zu einem jährlichen Umsatz von einer Billion US-Dollar führen könnte. Diese Prognose stützt die Erwartung, dass die Aktie bis Ende 2027 ein Kursniveau von 500 US-Dollar erreichen kann.
Expansion der Rechenleistung treibt Cloud-Wachstum
Im Zentrum der optimistischen Einschätzung steht der massive Ausbau der Infrastruktur für Amazon Web Services (AWS). Laut Morgan Stanley-Analyst Brian Nowak könnte die Kapazität der AWS-Rechenzentren von derzeit erwarteten 14 Gigawatt im Jahr 2025 auf bis zu 120 Gigawatt im Jahr 2035 steigen.
Bei einer angenommenen Monetarisierung von etwa 12 US-Dollar pro Watt würde dies den jährlichen Umsatz der Sparte über die Marke von einer Billion US-Dollar heben.
Dieser Expansionskurs erfordert erhebliche Investitionen. Für das laufende Jahr 2026 hat Amazon seine geplanten Investitionsausgaben (Capex) bereits auf rund 220 Milliarden US-Dollar angehoben.
Die Analysten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass diese Summe im Jahr 2027 sogar auf bis zu 300 Milliarden US-Dollar steigen könnte. Ziel dieser Strategie ist es, die steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten und KI-Anwendungen zu bedienen, wobei AWS langfristig eine operative Marge (EBIT-Marge) von etwa 30 Prozent anstrebt.
Peter Thiel setzt auf Amazon als Top-Holding
Nicht nur Analysten, auch prominente Investoren positionieren sich verstärkt in dem Wertpapier. Wie aus aktuellen Meldungen hervorgeht, ist Amazon zur größten US-Aktienposition im Portfolio des Macro-Fonds von Peter Thiel aufgestiegen.
Zum Ende des zweiten Quartals machte die Beteiligung mit einem Wert von 118 Millionen US-Dollar etwa 28,2 Prozent des gesamten Portfolios aus. Dass Thiel parallel dazu massiv in Energie- und Stromwerte investiert, unterstreicht die Bedeutung der Energieversorgung für den Betrieb der für AWS notwendigen Rechenzentren.
An der Börse reagierte das Papier heute mit einem leichten Rücksetzer und notiert bei 224,10 Euro, was einem Minus von 1,3 Prozent entspricht. Trotz dieser kurzfristigen Schwankung weist die Aktie seit Jahresbeginn ein Plus von 14 Prozent auf. Damit bewegt sich der Wert weiterhin deutlich über seinen längerfristigen Durchschnittslinien, auch wenn er derzeit etwa 10 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch notiert.
Starke Quartalszahlen als Fundament
Die jüngsten Geschäftszahlen untermauern den Wachstumskurs. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Amazon den Konzernumsatz um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar.
Besonders AWS erwies sich als Wachstumstreiber: Der Umsatz der Cloud-Sparte kletterte um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar – das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen. Mit einem operativen Ergebnis von 16,6 Milliarden US-Dollar steuerte AWS zudem rund 60 Prozent zum gesamten Betriebsgewinn des Konzerns bei.
Zusätzlich zur aktuellen Ertragskraft verweist das Unternehmen auf einen Auftragsbestand (Backlog) von 496 Milliarden US-Dollar. Laut Morgan Stanley notiert die Amazon-Aktie derzeit mit einem Abschlag von rund 50 Prozent gegenüber vergleichbaren Unternehmen im Cloud- und Technologie-Sektor.
Sollte sich die Wachstumsgeschwindigkeit von AWS wie prognostiziert fortsetzen, sieht die Bank im Bullen-Szenario ein Kurspotenzial von bis zu 100 Prozent innerhalb der nächsten 16 Monate.
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