Vor drei Monaten lag die Amazon-Aktie rund zwölf Prozent im Minus, das Jahr 2026 hatte bis dahin kaum etwas gebracht. Investoren grübelten über den negativen freien Cashflow, über die fast verdoppelte Verschuldung, über Capex-Pläne, die sich inzwischen auf 220 Milliarden Dollar summieren. Dann kamen die Q2-Zahlen, und die Aktie sprang an einem einzigen Tag um 9 Prozent.
Was hat gezündet?
AWS. Das Cloud-Geschäft wuchs um 36,7 Prozent, während Analysten mit 31,2 Prozent gerechnet hatten. Die bereinigte Marge lag bei 37,9 Prozent statt der erwarteten 33,8 Prozent. Und der Auftragsbestand? 496 Milliarden Dollar, ein sequenzielles Plus von 36 Prozent. Das ist eine Wachstumsstory, die gerade erst Fahrt aufnimmt.
AWS erwirtschaftet bereits 61 Prozent des gesamten operativen Gewinns, obwohl das Segment nur 21 Prozent des Umsatzes ausmacht. Wer das noch als Nebengeschäft betrachtet, hat das Unternehmen nicht verstanden.
Die Bären haben ein Problem
Das Bären-Argument lautete: Amazon gibt zu viel aus, der freie Cashflow ist negativ, die Schulden steigen. Das stimmt alles. Der freie Cashflow liegt auf Zwölfmonatsbasis bei minus 7,6 Milliarden Dollar. Und trotzdem hat der Markt nach den Zahlen gekauft, nicht verkauft.
Weil immer mehr Anleger begreifen, dass Capex hier keine Verzweiflungstat ist, sondern der Aufbau eines Burggrabens, den kaum jemand in dieser Größenordnung replizieren kann. Mehr als eine Million Roboter in über 300 Standorten, dazu eigene Chips, eigene Modelle, Cloud-to-Edge-Orchestrierung für autonome Fabriken. Das ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern passiert bereits jetzt.
Was der Kurs schon eingepreist hat, und was nicht
Die Amazon-Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen gut 16 Prozent zugelegt, auf Jahressicht sind es fast 29 Prozent. Wer jetzt einsteigt, zahlt also schon für einen Teil der guten Nachrichten. Die Q3-Umsatzprognose verfehlte den Konsens knapp, was in der Vergangenheit häufig bedeutete, dass Amazon anschließend übertrifft.
Das Hauptrisiko ist nicht schwer zu benennen: Wenn die KI-Infrastruktur nicht die versprochenen Effizienzgewinne liefert, kippt die Erzählung. Aus „strategischer Vorsprung“ wird „teure Überkapazität“, und Robotik sowie autonome Systeme verlieren ihre Optionsprämie. Dieses Szenario ist nicht das wahrscheinlichste, aber es ist auch nicht völlig undenkbar.
496 Milliarden Gründe
Nichtsdestotrotz: Wer aktuell bearish auf Amazon sein will, muss zunächst mal plausibel erklären, warum ein Auftragsbestand von 496 Milliarden Dollar keinerlei Relevanz besitzt. Viel Erfolg dabei.
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