In London steht der Online-Riese vor neuen juristischen Hürden: Das britische Schiedsgericht für Wettbewerbsfragen hat am heutigen Montag einer Verbraucherklage gegen Amazon und Apple in Teilen stattgegeben.
Im Kern des Verfahrens steht eine Vereinbarung der beiden Konzerne, die den Verkauf von Apple-Produkten durch unabhängige Händler auf dem britischen Marktplatz eingeschränkt haben soll. An den Börsen sorgt die Nachricht für Zurückhaltung: Im heutigen Handel verliert die Amazon-Aktie 1,2 Prozent auf 216,45 Euro.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, wies das Londoner Gericht zwar weitergehende Forderungen ab, die sich auf Apples eigene Vertriebswege bezogen. Die Vorwürfe gegen Amazons Plattform dürfen hingegen verhandelt werden. Die Klägerseite fordert für angebliche Preisaufschläge Schadenersatz von bis zu 306 Millionen Pfund inklusive Zinsen.
Die Kläger werfen den beiden Technologiekonzernen vor, durch Absprachen den freien Wettbewerb behindert zu haben. Dadurch seien Verbraucher in Großbritannien gezwungen worden, überhöhte Preise für elektronische Geräte zu zahlen. Amazon sieht sich in Europa nicht zum ersten Mal kartellrechtlichen Prüfungen seiner Marktplatzpraktiken ausgesetzt.
Steigende Personalausgaben und Kritik an Steuerabzügen
Parallel zu den juristischen Auseinandersetzungen steigen die laufenden Betriebsausgaben im Vereinigten Königreich. Seit gestern gilt für britische Logistikmitarbeiter ein erhöhter Einstiegsstundenlohn von standortabhängig bis zu 16,10 Pfund. Für Beschäftigte in Vollzeit entspricht dies einem jährlichen Startgehalt von bis zu 33.488 Pfund.
Der Lohnschritt folgt auf umfangreiche Zusagen für den britischen Markt, in dem Amazon bis 2027 Investitionen von 40 Milliarden Pfund plant. Gleichzeitig wächst der politische Druck im US-Heimatmarkt. Drei US-Senatoren um Elizabeth Warren verlangen in einem Schreiben von heute bis zum 12. Oktober Auskunft darüber, welche Steuererleichterungen der Konzern für Rechenzentren und künstliche Intelligenz geltend gemacht hat.
Milliardeninvestitionen drücken auf den Cashflow
Hintergrund der Debatten sind die gewaltigen Summen, die der Konzern in neue Rechenzentren lenkt. Laut Goldman Sachs müssen die großen Cloud-Anbieter enorme Einnahmen generieren, um die milliardenschweren Ausgaben für Datenzentren wirtschaftlich zu rechtfertigen. Diese massiven Investitionskosten hinterlassen bereits tiefe Spuren im Zahlenwerk.
Im zweiten Quartal 2026 rutschte Amazons freier Cashflow auf Zwölfmonatsbasis mit 7,6 Milliarden US-Dollar ins Minus. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen positiven Zufluss von 18,2 Milliarden US-Dollar verbucht.
Trotz dieser Belastungsfaktoren behauptet sich das Papier im laufenden Jahr und verzeichnet seit Jahresanfang ein Plus von 9,9 Prozent. Für Marktbeobachter bleibt entscheidend, wie zügig die Cloud-Sparte AWS die hohen Vorleistungen in profitables Wachstum ummünzen kann, während regulatorische Verfahren und steigende Standortkosten die Margen herausfordern.
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