Andy Jassy stellt für Amazon zwei Geschäfte mit jeweils einer Billion US-Dollar Jahresumsatz in Aussicht: AWS und den Handelsbereich Stores. Am Donnerstag nannte der Amazon-Chef dafür einen Horizont von fünf bis zehn Jahren. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, wie belastbar die langfristigen Wachstumspläne angesichts des hohen Kapitalbedarfs sind.
Gebuchte Kapazität stützt die Wachstumspläne
Jassys Zuversicht beruht nicht allein auf der jüngsten Umsatzentwicklung. Nach seinen Angaben sind die AWS-Kapazitäten weitgehend bis 2027 ausverkauft. Auch ein erheblicher Teil der Kapazitäten für 2028 sei bereits gebucht. Das spricht für anhaltende Nachfrage, setzt aber voraus, dass Amazon die benötigte Infrastruktur bereitstellt.
Der AWS-Auftragsbestand erreichte Ende September 578 Milliarden US-Dollar. Drei Monate zuvor hatte er bei rund 496 Milliarden US-Dollar gelegen. Diese Buchungen stützen die Wachstumsperspektive, sind aber nicht mit bereits erzielten Umsätzen gleichzusetzen.
Für die Bewertung der Expansion ist diese Unterscheidung wesentlich: Gefüllte Auftragsbücher belegen Nachfrage. Ob daraus nachhaltig frei verfügbare Mittel entstehen, hängt auch vom Aufwand für den Ausbau und Betrieb der Infrastruktur ab.
Im am Donnerstag veröffentlichten Bericht zum dritten Quartal 2026 meldete AWS einen Umsatz von 46 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 39,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Jassy erwartet eine weitere Beschleunigung. Für 2027 und 2028 stellt er jährliche AWS-Zuwächse von mehr als 40 Prozent in Aussicht. Das ist eine Managementerwartung, kein bereits gesicherter Wachstumspfad.
Auch der Handel soll deutlich wachsen
Die langfristige Umsatzvision beschränkt sich nicht auf das Cloudgeschäft. Stores erzielte über die vergangenen zwölf Monate knapp 500 Milliarden US-Dollar Umsatz. Eine Verdopplung bis 2032 wurde als Jassys Einschätzung berichtet.
Damit verfolgt Amazon zwei große Wachstumslinien. Während AWS zusätzliche Rechenkapazität benötigt, setzt der Handelsbereich auch auf eine engere Verzahnung alltäglicher Einkäufe mit dem bestehenden Angebot.
Einen Ansatzpunkt sieht Jassy bei verderblichen Lebensmitteln und taggleichen Lieferungen. Kunden, die solche Produkte bestellen, kaufen seinen Angaben zufolge fast siebenmal so viele Einheiten des täglichen Bedarfs wie Kunden ohne diese Bestellungen. Die Aussage beschreibt einen Zusammenhang im Kaufverhalten; sie ist keine Umsatzprognose für den gesamten Handelsbereich.
Der Ausbau muss sich auszahlen
Die Dimension der Pläne zeigt sich im Kapitalbedarf. Amazon bestätigte am Donnerstag erwartete Investitionen von rund 220 Milliarden US-Dollar für 2026. Im Folgejahr sollen die Ausgaben deutlich höher liegen.
Der ebenfalls am Donnerstag berichtete freie Cashflow wies über zwölf Monate einen Abfluss von 42,4 Milliarden US-Dollar aus. Die langfristigen Umsatzambitionen stehen damit einer erheblichen finanziellen Vorleistung gegenüber.
Für Anleger liegt der entscheidende Prüfstein deshalb nicht allein im nächsten Wachstumssprung. Amazon muss die gebuchte Cloudnachfrage bedienen und zugleich zeigen, dass die Expansion dauerhaft freien Cashflow erzeugen kann. Jassys Billionenvision beschreibt das Potenzial – Auftragsbestand und Kapitalbedarf zeigen die Bedingungen dafür.
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