Amazon hat sich in einem Rechtsstreit um sogenannte Social-Casino-Apps auf einen ungewöhnlichen Vergleich geeinigt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Hintergrund ist eine Sammelklage aus dem Jahr 2023, in der dem Konzern vorgeworfen wurde, über seinen Appstore illegale Glücksspielangebote vermittelt und dabei gegen das Glücksspiel- sowie Verbraucherschutzrecht des US-Bundesstaates Washington verstoßen zu haben.
Der nun vorgeschlagene Vergleich sieht vor, dass betroffene Nutzer Schadenersatzansprüche in Höhe von mehr als 200 Millionen US-Dollar direkt gegen die Entwickler der Apps geltend machen können. Amazon selbst bestreitet weiterhin jegliches Fehlverhalten.
Amazon-Aktie: Vergleich ohne direkte Zahlung
Bemerkenswert ist die Konstruktion des Vergleichs. Amazon zahlt kein Geld in einen Entschädigungsfonds. Stattdessen wird ein Urteil über 201 Millionen US-Dollar gegen den Konzern ausgesprochen, dessen Ersatzansprüche gegenüber den App-Entwicklern anschließend an die Kläger übertragen werden.
Im Gegenzug verpflichten sich die Verbraucher, die Summe nicht von Amazon einzufordern. Das Unternehmen bezeichnete die Einigung als Möglichkeit, den Rechtsstreit zu beenden und gleichzeitig den Betrieb seines Appstores fortzusetzen. Künftig sollen Entwickler die Vorgaben für Apps noch strenger einhalten müssen. Der Vergleich muss allerdings noch von einem Gericht genehmigt werden.
Bei den sogenannten Social-Casino-Apps handelt es sich um virtuelle Spielautomaten oder Casinospiele, bei denen Nutzer zwar kein echtes Geld gewinnen können, aber häufig kostenpflichtige virtuelle Spielwährungen kaufen. Kritiker sehen darin dennoch eine Form des Glücksspiels, weil die Spiele Nutzer zu immer höheren Ausgaben verleiten können.
Bereits zuvor hatten Entwickler solcher Apps Vergleiche geschlossen, durch die Verbraucher nach Angaben der Klägeranwälte insgesamt mehr als 650 Millionen US-Dollar zurückerhalten haben. Parallel laufen ähnliche Verfahren auch gegen Apple, Alphabet (Google) und Meta.
Amazon-Aktie: Kaum finanzielle Folgen, aber rechtliches Signal
Für Amazon dürfte der Vergleich kurzfristig kaum finanzielle Auswirkungen haben, da der Konzern selbst keine Entschädigungszahlungen leisten muss. Dennoch zeigt der Fall, dass Plattformbetreiber zunehmend stärker für Inhalte und Transaktionen auf ihren Marktplätzen in die Verantwortung genommen werden.
Sollten ähnliche Verfahren auch gegen andere große Appstore-Betreiber erfolgreich sein, könnten die Anforderungen an die Kontrolle von Apps und digitalen Geschäftsmodellen künftig deutlich steigen.
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