Amazons Cloud-Sparte wächst schneller, der Konzern gibt dafür aber deutlich mehr Geld aus als erwartet. Genau diese Mischung bestimmt die Reaktion an der Börse: Vorbörslich lag die Aktie noch gut sieben Prozent im Minus, im regulären US-Handel schrumpfte der Verlust auf rund ein Prozent. Zwischenzeitlich markierte der Titel den tiefsten Stand seit Ende Juli.
AWS beschleunigt, die Investitionen auch
Der Umsatz der Cloud-Sparte AWS stieg im dritten Quartal um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis des Bereichs legte um 55 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar zu. Einige Investoren hatten allerdings 42 bis 43 Prozent Wachstum erwartet.
Für 2027 und 2028 stellt das Management jeweils mehr als 40 Prozent Wachstum in Aussicht. Dafür fließt viel Geld in Rechenleistung. Die Investitionen lagen im Quartal bei 77,3 Milliarden Dollar, rund 20 Milliarden mehr als vom Markt erwartet. Für das Gesamtjahr veranschlagt Amazon Kapitalausgaben von 220 Milliarden Dollar.
Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate rutschte nach Berechnung von Jefferies-Analyst Brent Thill auf ein Minus von mehr als 42 Milliarden Dollar. Hinzu kommt eine Prognose für das Weihnachtsquartal im Onlinehandel, die unter den Markterwartungen blieb.
Der Konzernumsatz wuchs um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn sank um gut zwei Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar, weil im Vorjahr Bewertungsgewinne aus der Beteiligung an Anthropic das Ergebnis gestützt hatten.
Analysten sehen Einstiegschance
Die Kursschwäche trifft auf einen größeren Rahmen: Der Nasdaq 100 fiel zeitweise um fast drei Prozent, nachdem schon Alphabet am Vortag Sorgen vor überzogenen KI-Ausgaben angefacht hatte. Die DZ Bank konstatiert, gute Ergebnisse allein reichten bei den großen Tech-Werten nicht mehr aus. Cashflow und KI-Investitionen machten den Unterschied.
Die meisten Häuser bleiben dennoch zuversichtlich:
- JPMorgan: Kursziel 365 Dollar, „Buy“
- UBS: fairer Wert von 352 Dollar, angehoben um vier Dollar
- RBC: 330 Dollar, „Outperform“
- Cantor Fitzgerald: gesenkt auf 280 Dollar von 310 Dollar, „Overweight“
- DA Davidson und Raymond James: je 250 Dollar
DZ-Analyst Ingo Wermann kappte sein Kursziel um zehn Dollar, hält die Reaktion aber für überzogen. Der Markt gewichte Timing-Effekte zu stark. RBC-Analyst Brad Erickson sieht in der AWS-Prognose ein Signal, dass die Investitionen in den kommenden Jahren nicht mehr deutlich steigen müssten.
Goldman Sachs nennt die Aktie nach dem Rückgang eine der attraktivsten Risiko-Rendite-Chancen in ihrem Beobachtungsfeld. Die Kursziele reichen insgesamt von 250 bis 365 Dollar. Das Bild ist also gespalten: Die Skeptiker stören sich an Bewertung und Cloud-Tempo, die Optimisten an der Kursreaktion.
Der nächste Prüfstein ist das Weihnachtsquartal. Dann zeigt sich, ob der Onlinehandel die Lücke zur schwächeren Prognose schließt und ob die Milliardenausgaben für Rechenzentren den erwarteten AWS-Schub liefern.
Stand heute, 31. Oktober: Amazon – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Amazon investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 31. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
