Amazon hat am Montag ein Allzeithoch markiert und ist als eines von nur fünf US-Unternehmen über die Schwelle von drei Billionen Dollar Börsenwert gesprungen. Auslöser ist ein starker Quartalsbericht, der die anhaltende Rally befeuert. Für Anleger bestätigt sich damit, dass die Wette auf das Cloud- und KI-Geschäft aufgeht.
AWS als Wachstumsmotor
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen. Der operative Gewinn kletterte um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar. Haupttreiber war die Cloud-Sparte AWS, deren Erlöse um 36,7 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar zulegten. Damit beschleunigte sich das Wachstum spürbar gegenüber den 28 Prozent des Vorquartals. Die operative Marge von AWS liegt mittlerweile bei rund 39 Prozent und hebt die Gesamtmarge des Konzerns auf 13,7 Prozent. Der Aufschwung wird von der enormen Nachfrage nach KI-Infrastruktur getragen.
Die versteckte Margengeschichte
Doch die Ertragskraft speist sich nicht allein aus der Cloud. Neben AWS wachsen weitere margenstarke Geschäftsfelder, darunter das Werbegeschäft, die Dienstleistungen für Drittanbieter auf dem Marktplatz sowie die Abonnements. Die Werbeerlöse allein erreichten im Quartal 19,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 26 Prozent. Zugleich baut Amazon seine Stellung im Handel aus und ist inzwischen der zweitgrößte Lebensmittelhändler der USA. Diese Vielfalt macht den Konzern weniger abhängig von einer einzelnen Sparte und stützt die Bewertung.
Amazon Aktie Chart
Hohe Investitionen als Risiko
Der Preis für dieses Wachstum ist ein gewaltiger Kapitaleinsatz. Die Investitionsprognose wurde um zehn Prozent auf 220 Milliarden Dollar angehoben, und der freie Cashflow war im zweiten Quartal negativ. Analysten zeigen sich bislang gelassen, weil der starke operative Cashflow und die Beschleunigung bei AWS die Wachstumsgeschichte tragen. Amazon plant, seine Cloud-Kapazität bis 2027 zu verdoppeln, und ist trotz des Ausbaus bereits ausverkauft.
Doch genau hier liegt der Knackpunkt. Sollte die KI-Nachfrage nachlassen, der Wettbewerbsdruck steigen oder eine neue Schuldenaufnahme nötig werden, könnte aus dem Rückenwind schnell Gegenwind werden. Ob die Rekordbewertung von drei Billionen Dollar gerechtfertigt ist oder bereits zu viel Zukunft vorwegnimmt, ist die Frage, die Anleger jetzt genauer prüfen sollten.
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