Starkes AWS-Wachstum, aber schwächere Prognose: Amazon hat im dritten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn je Aktie die Erwartungen verfehlt. Nachbörslich gab die Aktie um mehr als sechs Prozent nach. Das Ergebnis fällt in eine Phase, in der Anleger die Milliardenausgaben für KI-Infrastruktur besonders kritisch prüfen.
Zahlen knapp unter den Erwartungen
Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit rund 202,1 bis 202,3 Milliarden gerechnet. Das Ergebnis je Aktie sank auf 1,89 Dollar nach 1,95 Dollar im Vorjahr, erwartet worden waren etwa 1,96 Dollar.
Die Cloud-Sparte AWS lieferte dagegen ab. Ihr Umsatz wuchs um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar und übertraf damit die Prognosen. Im zweiten Quartal hatte das Plus noch bei 37 Prozent gelegen.
Konzernchef Andy Jassy zeigte sich zuversichtlich. Für 2027 und 2028 rechnet er bei AWS mit jeweils mehr als 40 Prozent Umsatzwachstum. Zudem sieht er Amazon im Einzelhandel weiter Marktanteile gewinnen.
Schwacher Ausblick belastet
Den Kursrückgang dürfte vor allem die Prognose für das Weihnachtsquartal erklären. Amazon erwartet einen Umsatz von 240 bis 247 Milliarden Dollar. Der Markt hatte im Schnitt gut 244 Milliarden Dollar auf dem Zettel, die Spanne reicht also zur Hälfte unter diesen Wert.
Marktbeobachter sehen darin ein Signal für verhaltene Konsumlaune. Steigende Lebenshaltungskosten und höhere Benzinpreise belasten die Haushaltsbudgets. Branchenprognosen rechnen allerdings weiter mit einem Plus der US-Feiertagsumsätze von 4,2 Prozent.
Die Aktie stand schon vor den Zahlen unter Druck. Sie hatte zuletzt den tiefsten Stand seit Ende Juli erreicht und schloss rund 3,7 Prozent im Minus bei etwa 245 Dollar. Nachbörslich rutschte sie zeitweise auf knapp 230 Dollar.
KI-Ausgaben bleiben der Streitpunkt
Im Zentrum der Debatte steht der Investitionsplan. Für 2026 sind rund 220 Milliarden Dollar vorgesehen, für 2027 erwarten Analysten mehr als 280 Milliarden. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate war zuletzt bereits negativ.
Rückenwind liefert die Nachfrage: Jassy bezeichnete die Cloud-Kapazitäten für das kommende Jahr als weitgehend ausverkauft. Gegenwind kommt lokal. In mehreren US-Gemeinden stehen Abstimmungen über Beschränkungen für Rechenzentren an, darunter nahe Columbus in Ohio, wo Amazon ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 2 Milliarden Dollar plant.
Charttechnisch kommt nun die 200-Tage-Linie bei rund 243 Dollar ins Spiel. Sie fungiert als letzte wichtige Unterstützung. Fällt sie, rückt das Niveau um 240 Dollar in den Blick. Die Resonanz am Freitag im regulären Handel zeigt, ob die Anleger den starken AWS-Zahlen oder dem vorsichtigen Ausblick mehr Gewicht geben.
Stand heute, 29. Oktober: Amazon – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Amazon investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 29. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
