Zwei Nachrichten prägen aktuell das Bild von Amazon — und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite vertieft der Konzern seine KI-Partnerschaft mit Nvidia in einer Größenordnung, die selbst in dieser Branche aufhorchen lässt. Auf der anderen Seite ermitteln US-Behörden nach dem tödlichen Absturz eines für Amazon betriebenen Frachtflugzeugs in Miami.
Zwei Millionen Chips für die Cloud
Die Cloud-Sparte AWS kündigte an, zwischen 2027 und 2028 zusätzlich zwei Millionen Hochleistungs-Grafikprozessoren von Nvidia zu installieren. Die Dimension des Deals passt zum aktuellen Investitionstempo des Konzerns: Amazon steckt derzeit massiv in Rechenzentren, KI-Kapazitäten und eigene Chips. Im zweiten Quartal 2026 wuchs AWS um 36,7 Prozent im Jahresvergleich — das stärkste Tempo seit 18 Quartalen.
Diese Beschleunigung erklärt, warum Investoren wie Peter Thiel dem Konzern treu bleiben. Sein Fonds Thiel Macro hielt zum Ende des zweiten Quartals 2026 rund 495.000 Amazon-Aktien im Wert von knapp 118 Millionen Dollar — die größte gemeldete Einzelposition im Portfolio.
Die hohen Investitionen zeigen sich auch in der Bilanz: Auf Zwölfmonatssicht meldete Amazon einen Free-Cashflow-Abfluss von 7,6 Milliarden Dollar, verursacht vor allem durch Sachanlagen für neue Infrastruktur.
Ermittlungen nach Absturz in Miami
Parallel zur Wachstumsstory beschäftigt ein tragisches Ereignis die Behörden. Ein Frachtflugzeug, das für Amazon im Auftrag der Fluggesellschaft 21 Air betrieben wurde, überschoss am Sonntag beim Landen in Miami die Landebahn um rund 400 Meter, kollidierte mit mehreren Fahrzeugen und ging in Flammen auf. Fünf Menschen kamen ums Leben, fünf weitere wurden verletzt.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB hat inzwischen Flugschreiber und Stimmenrekorder gesichert und will sie in den USA auswerten. Ermittler wollen zudem die vertragliche Beziehung zwischen Amazon und dem Betreiber 21 Air genauer untersuchen — konkret geht es um die Frage, welche Sicherheitsvorgaben in solchen Frachtverträgen greifen.
Die Maschine, eine 32 Jahre alte Boeing 767-300, war an dem Tag bereits ihren dritten Flug geflogen. Erste belastbare Erkenntnisse zur Unfallursache werden für die kommenden Tage erwartet.
Zwei Geschichten, ein Konzern
Für die Aktie dürfte kurzfristig das operative Bild dominieren. AWS, Werbegeschäft und die neuen KI- und Chip-Sparten liefern derzeit mehrere Wachstumsmotoren gleichzeitig — laut Management überschritten sowohl das KI-Geschäft als auch die eigenen Chip-Aktivitäten im zweiten Quartal jeweils eine annualisierte Run-Rate von mehr als 25 Milliarden Dollar.
Der Flugzeugunfall in Miami bleibt davon zunächst ein operatives und rechtliches Thema abseits des Kerngeschäfts, dessen Tragweite erst mit dem NTSB-Untersuchungsbericht klarer wird.
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