Amazon baut seine Eigenentwicklung bei Chips weiter aus. Der Cloud-Ableger AWS hat mit dem Chipdesign-Spezialisten Synopsys ein mehrjähriges Abkommen über mehr als eine Milliarde Dollar geschlossen. Parallel dazu sorgen ein neuer Streaming-Stick und eine Gerichtsverhandlung in Karlsruhe für Gesprächsstoff.
Synopsys liefert Bausteine für Graviton und Trainium
Synopsys lizenziert künftig Chip-Blaupausen für Amazons eigene Prozessoren. Es geht um die Serien Graviton für allgemeine Rechenaufgaben und Trainium für KI-Training. Auch der Nitro-Chip für Sicherheit, Netzwerk und Speicher gehört zum Portfolio, das Amazon seit mehr als einem Jahrzehnt selbst entwickelt. Welche konkreten Chips die Synopsys-Designs nutzen werden, blieb offen.
Amazon wird dabei Leitkunde für die sogenannten anwendungsoptimierten Designs. Synopsys stellt sein Geschäftsmodell auf Lizenzgebühren plus Umsatzbeteiligung um. Die Zahlungen wachsen also mit Amazons Produktionsmengen.
Die Kooperation läuft in beide Richtungen. Synopsys nutzt künftig AWS-Rechen- und Speicherdienste sowie den KI-Dienst Bedrock, um eigene Werkzeuge zu entwickeln. Zudem will Amazon Synopsys‘ KI-gestützte Entwicklungssoftware in seinen Ingenieursteams einsetzen. Die beiden Konzerne arbeiten seit mehr als 15 Jahren zusammen.
Am Markt kam die Nachricht vor allem bei Synopsys an, deren Aktie im Tagesverlauf um rund fünf Prozent zulegte. Amazon-Papiere gewannen zeitweise etwas mehr als ein Prozent und schlossen bei 249,15 Dollar.
Neuer Fire TV Stick ohne Android
Im Consumer-Geschäft stellt Amazon einen überarbeiteten Fire TV Stick 4K vor. Er läuft erstmals auf dem hauseigenen Betriebssystem Vega statt auf Android. Amazon verspricht ein um 20 bis 40 Prozent höheres Tempo als bei vergleichbaren Geräten. Er kostet 59,99 Dollar, zu den Prime Big Deal Days in den USA zeitweise 29,99 Dollar.
Der Stick bezieht Strom direkt über den USB-Anschluss des Fernsehers und bringt eine neu gestaltete Fernbedienung mit. Nutzer müssen allerdings auf das Sideloading von Apps verzichten. Bei Vega stehen nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als 2.000 zusätzliche Apps bereit, darunter Spotify und Xbox. Zugleich will Amazon sein verwirrendes Angebot aus drei 4K-Varianten straffen.
BGH verhandelt über Prime-Preiserhöhung
Am Donnerstag um 10.00 Uhr befasst sich der Bundesgerichtshof mit der Prime-Preiserhöhung von 2022. Damals stieg der Jahrespreis in Deutschland von 69 auf 89,90 Euro, ohne dass Amazon die Kunden ausdrücklich um Zustimmung bat. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht Düsseldorf Erfolg. Beide erklärten die Preisanpassungsklausel für unwirksam.
Amazon geht dagegen in Revision. Ob der dritte Zivilsenat noch am Verhandlungstag ein Urteil spricht, ist offen. Bestätigt der BGH die Vorinstanzen, könnte das Folgen für Millionen betroffene Kunden haben. Die Verhandlung am Donnerstagmorgen liefert dazu erste Hinweise.
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