Der US-Technologiekonzern Amazon steht derzeit im Fokus gegensätzlicher Signale vom Kapitalmarkt. Während die Investmentholding Berkshire Hathaway unter der Führung von Warren Buffett ihre verbliebene Beteiligung an dem E-Commerce-Riesen im zweiten Quartal vollständig veräußert hat, treibt das Unternehmen seine Expansion im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) mit neuen Partnerschaften und Infrastrukturprojekten massiv voran. An den Börsen wurde diese Dynamik gestern positiv aufgenommen: Die Aktie schloss am Montag bei 240,80 Euro.
Warren Buffett zieht sich zurück – Novo Nordisk steigt ein
Die gestrige Veröffentlichung regulatorischer Dokumente sorgte für Aufsehen in der Finanzwelt. Berkshire Hathaway hat sich im zurückliegenden Quartal von seinen restlichen Amazon-Anteilen getrennt.
Dieser Rückzug erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen seine Marktposition durch strategische Allianzen im Hochtechnologiesektor neu definiert. So gab Amazon gestern eine strategische Partnerschaft zwischen seiner Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) und dem dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk bekannt.
Ziel dieser Kooperation ist es, die Entdeckung neuer Medikamente durch den Einsatz von generativer KI signifikant zu beschleunigen. AWS stellt hierfür die technologische Infrastruktur bereit, um komplexe biologische Daten effizienter als bisher analysieren zu können.
Parallel dazu konnte die Aktie im gestrigen Handel eine positive Tendenz verzeichnen und legte um 1,43 Prozent zu. Damit setzt das Papier seinen Aufwärtstrend fort und weist seit Jahresbeginn ein Plus von 22,26 Prozent auf.
Energiebedarf für KI: Pläne für eigenes Kraftwerk in Texas
Um den immensen Hunger nach Rechenleistung für KI-Anwendungen zu stillen, plant Amazon offenbar den Einstieg in die großskalige Energieversorgung. Medienberichten zufolge beabsichtigt der Konzern, in Texas in ein großes Erdgaskraftwerk zu investieren.
Wie die New York Times berichtete, soll dieses Kraftwerk ausschließlich Strom für ein bedeutendes neues KI-Rechenzentrum liefern. Dieser Schritt unterstreicht die Strategie des Unternehmens, die gesamte Wertschöpfungskette der Cloud-Infrastruktur – von der Energieerzeugung bis zur Softwareanwendung – unter eigener Kontrolle zu halten.
Das enorme Wachstum der Cloud-Sparte spiegelt sich auch in den jüngsten Geschäftszahlen wider. Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz von AWS im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar.
Insgesamt erzielte der Konzern in diesem Zeitraum einen Nettoumsatz von 200,6 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Ein außergewöhnlicher Vorsteuergewinn von 53,4 Milliarden US-Dollar, primär resultierend aus der Neubewertung einer Beteiligung an dem KI-Start-up Anthropic, stützte das Gesamtergebnis zusätzlich.
Analystenlob und juristische Auseinandersetzungen
Die jüngste Geschäftsentwicklung stieß bei Experten auf breite Zustimmung. Rohit Kulkarni, Analyst bei Roth Capital Partners, bekräftigte gestern seine Einstufung mit „Strong Buy“ und setzte ein Kursziel von 325,00 US-Dollar fest. Er begründete dies mit den historisch hohen Margen und dem anhaltenden Wachstumspotenzial durch KI.
Auch das Analysehaus KeyBanc zeigte sich am Freitag optimistisch und hob das Kursziel von 310,00 auf 335,00 US-Dollar an, wobei insbesondere die 100-Milliarden-Dollar-Vereinbarung mit Anthropic hervorgehoben wurde.
Für das dritte Quartal 2026 gab das Management eine Prognose ab, die einen Nettoumsatz zwischen 197,0 Milliarden und 202,0 Milliarden US-Dollar vorsieht. Trotz der operativen Erfolge sieht sich der Konzern jedoch mit rechtlichem Gegenwind konfrontiert.
So reichte Universal Electronics am Samstag eine Patentklage wegen Technologien in Fire-TV- und Echo-Geräten ein. Zudem sieht sich Amazon einer Kartellklage des Bundesstaates New Jersey gegenüber, in der dem Unternehmen vorgeworfen wird, über sein Partnerprogramm für Lieferdienste Fahrerlöhne zu drücken.
Positive Nachrichten kamen derweil von der Mobilitätstochter Zoox. Diese erhielt am Freitag die behördliche Genehmigung, in Las Vegas künftig Gebühren für Fahrten in ihren autonomen Robotaxis zu verlangen – ein wichtiger Meilenstein für die Kommerzialisierung dieser Technologie. Währenddessen setzten Spitzenmanager ihre geplanten Anteilsverkäufe fort.
Gründer Jeff Bezos veräußerte bereits am 3. August im Rahmen eines festgelegten Handelsplans rund 1,2 Millionen Aktien für insgesamt circa 346,45 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen plant, die Ergebnisse für das dritte Quartal am 29. Oktober 2026 zu veröffentlichen.
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