Die Aktie von Amazon verlor im nachbörslichen Handel am Donnerstag deutlich an Boden und notierte zeitweise fast 7 Prozent im Minus. Bereits während der regulären Handelszeit hatte das Papier 4,2 Prozent nachgegeben. Der Auslöser waren die Quartalszahlen für das dritte Quartal 2026, die zwar ein beschleunigtes Wachstum der Cloud-Sparte AWS zeigten, gleichzeitig aber Fragen zur Profitabilität der massiven Investitionen aufwarfen.
Der Umsatz im dritten Quartal stieg um 12 Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar und verfehlte damit knapp die Analystenschätzung von 202,3 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag mit 1,89 Dollar ebenfalls unter den Erwartungen. AWS, die Cloud-Sparte des Konzerns, wuchs hingegen um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar und übertraf damit die Prognosen. Diese Beschleunigung gegenüber den 37 Prozent im zweiten Quartal und 28 Prozent im ersten Quartal dürfte Anleger eigentlich erfreuen.
CEO Jassy verspricht Billionen-Umsätze in zwei Geschäftsfeldern
CEO Andy Jassy zeigte sich auf der Telefonkonferenz optimistisch und prognostizierte für AWS ein Wachstum von über 40 Prozent sowohl 2027 als auch 2028. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren könnte AWS einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar erreichen. „Es gab noch nie ein Unternehmen mit einer Billion Dollar Umsatz, und wir könnten zwei davon in den nächsten 5 bis 10 Jahren haben“, erklärte Jassy. Er bezeichnete die aktuelle Situation als einmalige Gelegenheit und verteidigte die hohen Investitionen.
Mehr als die Hälfte der Einnahmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz bei AWS stammt bereits aus Inferenz, also der Anwendung trainierter KI-Modelle. Das Chip-Geschäft mit Graviton und Trainium wächst weiterhin im dreistelligen Prozentbereich. Für 2026 plant Amazon Investitionen von rund 220 Milliarden Dollar, ähnlich wie Alphabet will auch Amazon die Ausgaben 2027 nochmals deutlich erhöhen.
Analysten sehen gemischte Signale bei Cashflow und Rendite
Analyst Justin Purohit von Seeking Alpha bewertete den Bericht als gemischt. Zwar habe AWS die schnellste Wachstumsrate seit fast fünf Jahren erreicht und die operative Marge ein Rekordhoch markiert, doch die zentrale Frage bleibe, ob Amazon ausreichende Renditen auf die enormen Ausgaben erzielen könne. Der freie Cashflow für die letzten zwölf Monate rutschte auf minus 42,4 Milliarden Dollar ab, getrieben durch einen Anstieg der Investitionen in Sachanlagen um 94,8 Milliarden Dollar im Jahresvergleich. Purohit behielt seine Hold-Einschätzung bei.
Analyst Michael Del Monte hob hingegen das starke Wachstum bei KI-Inferenz hervor, das bei Fortune-500-Kunden eine Versiebenfachung der Ausgaben verzeichnete. Gene Munster von Deepwater Asset Management fasste die Botschaft von Amazon prägnant zusammen: „Macht euch keine Sorgen über Bots, die den Einzelhandel bedrohen, AWS wird noch Jahre lang florieren.“
Für Anleger bleibt abzuwarten, wie schnell sich die massiven Investitionen in konkrete Erträge umwandeln lassen. Die Kombination aus hohem Wachstum und negativem Cashflow stellt eine Gratwanderung dar, die das Vertrauen der Märkte auf die Probe stellt. Amazon hat allerdings vor allem mit dem AWS-Ergebnis ein Zeichen gesetzt. Die Cloud-Sparte trägt die langfristigen Aufwärtshoffnungen. Analysten bleiben unter dem Strich bisher sehr gelassen.
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