Die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz bestimmen zunehmend das Tempo beim Online- und Cloud-Konzern Amazon. Für das Gesamtjahr 2026 plant das Management mit Ausgaben von rund 220 Milliarden US-Dollar. CEO Andy Jassy hatte die Prognose für die Investitionen im Sommer von zuvor etwa 200 Milliarden US-Dollar angehoben und den Schritt vor allem mit höheren Speicherkosten begründet.
Gestern trat AWS-Technologiechef Matt Wood Befürchtungen über eine ausufernde Kostenexplosion entgegen. Außerhalb der komplexesten Spitzenmodelle sinke der finanzielle Aufwand für vergleichbare Rechenleistungen alle drei bis sechs Monate um das Zehn- bis Hundertfache.
Mit diesem rasanten Preisverfall rechtfertigt die Cloud-Sparte den gewaltigen Ausbau der Rechenzentren. Amazon will seine AWS-Kapazitäten bis Ende 2027 verdoppeln, da der Bedarf die verfügbaren Ressourcen bis weit ins kommende Jahr übersteigen könnte.
Starke Nachfrage stützt den Cloud-Ausbau
Die teure Expansion trifft auf eine unverändert hohe Nachfrage der Unternehmenskunden. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Erlös von AWS im Vorjahresvergleich um 36,7 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar. Zudem lag der Auftragsbestand der Sparte bei 496 Milliarden US-Dollar. Der gesamte Konzernumsatz legte im selben Zeitraum um 19,6 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar zu.
Die hohen Investitionssummen werfen an den Märkten dennoch Fragen zur künftigen Rendite auf. Wenn ein beträchtlicher Teil der weltweiten Rechenzentrumsausgaben auf wenige Hyperscaler entfällt, steigt der Druck auf die operative Marge. Amazon setzt darauf, dass die Skaleneffekte der eigenen Infrastruktur die anfänglichen Hardwarekosten zügig amortisieren.
Analysten sehen deutlichen Bewertungsspielraum
An der Wall Street stößt dieser Kurs auf breite Zustimmung. Das Analysehaus Rosenblatt hob am Mittwoch das Kursziel für Amazon von 335 auf 360 US-Dollar an und bekräftigte die Kaufempfehlung. Die Analysten von Goldman Sachs sehen für das Papier mit einem Ziel von 375 US-Dollar ebenfalls deutliches Potenzial und verweisen auf den anhaltenden Bedarf an KI-Rechenleistung.
Im deutschen Handel beendete die Amazon-Aktie den gestrigen Donnerstag bei 220,95 Euro. Das entspricht einem Plus von 12 Prozent seit Jahresbeginn.
Klarheit über die kurzfristige Dynamik dürften die anstehenden Geschäftszahlen bringen. Amazon hat für das dritte Quartal 2026 Erlöse in einer Spanne von 197 bis 202 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Die Vorlage der Quartalsergebnisse wird am 29. Oktober erwartet. Dann müssen die Zahlen zeigen, wie stark das Cloud-Wachstum die milliardenschweren Ausgaben bereits tragen kann.
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