Amazon Aktie: 742,8 Milliarden überholt Walmart

Amazon übertrifft Walmart beim Zwölfmonatsumsatz und profitiert von Cloud-Wachstum sowie KI-Investitionsverschiebung.

Auf einen Blick:
  • Amazon überflügelt Walmart beim Umsatz
  • Cloud-Sparte AWS wächst um 28 Prozent
  • Prime Day mit neuem Billigsegment
  • Aktie notiert unter 52-Wochen-Hoch

Amazon hat einen historischen Wendepunkt erreicht. Der Konzern hat Walmart beim Umsatz auf Zwölfmonatssicht überholt. Für den traditionellen Einzelhandel ist das eine Zäsur, die lange als undenkbar galt.

Die Amazon-Aktie notiert aktuell bei 217,10 Euro. Das entspricht einem Plus von 1,71 Prozent zum Vortagesschluss von 213,45 Euro. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 4 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat das Papier 12,3 Prozent gewonnen.

Der Umsatz-Überflügler

Amazons Umsatz der vergangenen zwölf Monate liegt bei rund 742,8 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 14,2 Prozent. Damit hat der Konzern Walmart erstmals in dieser Kennzahl überholt.

Walmart bleibt zwar die dominante Kraft im stationären Handel. Aber Amazons Mix aus globalem E-Commerce, Marktplatzgeschäft für Drittanbieter und margenstarkem Cloud-Geschäft hat beim Gesamtvolumen die Oberhand gewonnen. Walmarts Aktie geriet zuletzt unter Druck — nach Ankündigungen zu Preissenkungen und einer Herabstufung durch die Erste Group im Juni. Amazon dagegen profitiert von seinen breit gestreuten Einnahmequellen. Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt derzeit bei etwa 2,6 Billionen Dollar.

Kapital fließt Richtung Cloud

Ein zweiter Trend spielt Amazon in die Karten: die Rotation aus Halbleiteraktien hin zu Cloud-Anbietern. Der Philadelphia Semiconductor Index ist seit seinem Hoch im Juni um mehr als 11 Prozent gefallen.

Morgan-Stanley-Stratege Michael Wilson sieht darin ein Signal. Die nächste Phase des KI-Investitionszyklus dürfte sich auf Firmen konzentrieren, die Infrastruktur und Services für den breiten Einsatz der Technologie liefern — nicht mehr nur auf Chip-Hersteller. Amazon, Microsoft und Alphabet gelten als Hauptprofiteure dieser Verschiebung.

Zahlen stützen diese These. AWS, Amazons Cloud-Sparte, wuchs im ersten Quartal 2026 um 28 Prozent. Damit positioniert sich Amazon als wachstumsstarke, aber defensivere Alternative zu den schwankungsanfälligeren Hardware-Anbietern der Chipbranche.

Prime Day trifft auf sparsame Kunden

Operativ setzt Amazon parallel auf seine Prime-Day-Aktionen. In Märkten wie Australien laufen sie bereits, weitere Länder folgen bis Mitte Juli. Neu dabei: „Amazon Haul“, ein Segment mit zusätzlichen Rabatten auf günstige Artikel.

Der Vorstoß in Richtung Billigsegment ist eine direkte Antwort auf das veränderte Kaufverhalten der Kunden. Die Inflation lag im vergangenen Jahr bei rund 4,2 Prozent. Mit der Ausweitung ins Niedrigpreissegment fordert Amazon sowohl klassische Großhändler als auch aufstrebende Billig-Konkurrenten aus dem E-Commerce heraus.

Charttechnik bleibt neutral

Die Aktie notiert derzeit 8,80 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 238,05 Euro vom 5. Mai. Zum 52-Wochen-Tief von 165,88 Euro aus dem Februar beträgt der Abstand knapp 31 Prozent. Der RSI liegt bei 55,6 — weder überkauft noch überverkauft.

Auch die gleitenden Durchschnitte zeichnen ein stabiles Bild. Der Kurs liegt nur 1,15 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber gut 8 Prozent über der 200-Tage-Linie. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei knapp 31 Prozent.

Ende Juli 2026 legt Amazon die nächsten Quartalszahlen vor. Analysten rechnen im Konsens mit einem Gewinn je Aktie von etwa 1,82 Dollar. Im Fokus dürfte dabei stehen, ob der Konzern seine Margenausweitung im Cloud-Geschäft trotz steigender Logistikkosten im Einzelhandel fortsetzen kann.

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