Amazon greift tief in die Kapitalmärkte. Der Konzern hat Anfang Juli eine Anleihe platziert und dabei nach übereinstimmenden Berichten fast 40 Milliarden Dollar eingesammelt. Das Geld soll in den Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur fließen — kurz vor den Quartalszahlen, die Ende Juli anstehen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 214,85 Euro, ein Minus von 0,62 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,11 Prozent, über 30 Tage sogar von 4,19 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 11,14 Prozent zugelegt.
Wofür Amazon das Geld braucht
Die genaue Summe der Anleihe schwankt je nach Bericht zwischen 25 und knapp 40 Milliarden Dollar. Der Zweck bleibt aber eindeutig: Amazon baut seine Kapazitäten für Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz massiv aus. Das Geld fließt vor allem in Rechenzentren, die den wachsenden Bedarf von Amazon Web Services (AWS) bedienen sollen.
AWS ist längst der Wachstumsmotor des Konzerns. Im ersten Quartal 2026 legte der Umsatz der Cloud-Sparte um 28 Prozent zum Vorjahr zu — das schnellste Wachstum seit 15 Quartalen. Damit erreicht AWS einen Jahresumsatz von rund 150 Milliarden Dollar auf Basis des aktuellen Quartals.
Die Beschleunigung hat einen Namen: künstliche Intelligenz. Sie treibt nicht nur den Umsatz, sondern auch die Marge. AWS erwirtschaftete im ersten Quartal einen operativen Gewinn von 14,2 Milliarden Dollar bei einer Marge von 37,7 Prozent.
Rekordmarge im Gesamtkonzern
Amazon insgesamt wuchs im ersten Quartal 2026 um 17 Prozent auf 181,5 Milliarden Dollar Umsatz. Der operative Gewinn kletterte auf 23,9 Milliarden Dollar. Damit erreichte die operative Marge des Konzerns 13,1 Prozent — ein Rekordwert.
Die nächsten Zahlen kommen am 30. Juli nach US-Börsenschluss. Analysten rechnen mit rund 196 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von 1,82 Dollar. Rückenwind könnte der diesjährige Prime Day liefern, der ins zweite Quartal fiel und Berichten zufolge Rekordausgaben von 26,4 Milliarden Dollar auslöste.
Charttechnisch im Konsolidierungsmodus
Die milliardenschweren KI-Investitionen belasten den freien Cashflow, gelten aber als Grundlage für künftige Profitabilität. Amazon setzt damit fort, was schon die letzten Quartale prägte: hohe Ausgaben heute für höhere Margen morgen.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie in einer Bandbreite. Der aktuelle Kurs liegt 9,75 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 238,05 Euro aus dem Mai, aber 29,52 Prozent über dem Tief von 165,88 Euro vom Februar. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 219,02 Euro knapp über dem aktuellen Kurs, der 200-Tage-Durchschnitt mit 201,09 Euro deutlich darunter. Der RSI von 52,6 zeigt eine neutrale Marktlage ohne Extremausschläge in beide Richtungen.
Die Quartalszahlen am 30. Juli werden zeigen, ob die milliardenschweren Investitionen in AWS und AI schon jetzt operative Wirkung entfalten — oder ob der Cashflow-Effekt der Anleihe zunächst überwiegt.
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