Amazon Aktie: 364 Milliarden Dollar Auftragsbestand

Amazon verzeichnet starkes AWS-Wachstum, nimmt aber 25 Milliarden Dollar für KI-Investitionen auf. Analysten bleiben optimistisch.

Auf einen Blick:
  • AWS-Wachstum beschleunigt sich deutlich
  • 25-Milliarden-Anleihe für KI-Investitionen
  • Analysten heben Kursziele an
  • Mehr als eine Million Lagerroboter im Einsatz

Amazon zeigt zwei Gesichter zugleich: Auf der einen Seite steht ein Cloud-Geschäft, das schneller wächst als seit Jahren nicht mehr. Auf der anderen Seite reagierten Anleger verhalten, als der Konzern in dieser Woche frisches Fremdkapital für seine Künstliche-Intelligenz-Offensive aufnahm. Die Aktie notierte zum Wochenschluss bei 214,85 Euro und gab damit auf Tagessicht 0,62 Prozent nach. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Plus von 1,11 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sogar von 4,19 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 11,14 Prozent gewonnen, binnen zwölf Monaten waren es 13,06 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 238,05 Euro, erreicht am 5. Mai 2026, fehlen aktuell 9,75 Prozent, zum Jahrestief von 165,88 Euro vom 17. Februar liegt der Kurs dagegen 29,52 Prozent im Plus.

Starkes Auftaktquartal treibt Analysten-Optimismus

Amazon hatte im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 181,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Cloud-Sparte AWS legte um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar zu und erreichte dabei eine operative Rekordmarge von 13,1 Prozent. Das Ergebnis je Aktie von 2,78 Dollar übertraf den Konsens von 1,63 Dollar um 71 Prozent. Der Nettogewinn von 30,3 Milliarden Dollar enthielt allerdings auch einen Buchgewinn von 16,8 Milliarden Dollar aus der Beteiligung an Anthropic. Der Analyst von AInvest stufte Amazon am 11. Juli auf Buy hoch und verwies auf ein PEG-Verhältnis von 0,83 sowie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29,1 auf Basis der vergangenen zwölf Monate. Auch Seeking Alpha vergab am 10. Juli ein Strong-Buy-Rating und begründete dies mit dem wieder beschleunigten AWS-Wachstum und einem großen Auftragsbestand. Der durchschnittliche Kursziel-Konsens von 56 Analysten liegt bei 315,44 Dollar, 24/7 Wall St. nennt sogar 324,34 Dollar als Jahresendziel. AWS kommt aktuellen Angaben zufolge auf einen Marktanteil von 28 Prozent, vor Microsoft Azure mit 21 und Google Cloud mit 14 Prozent.

Anleihe-Nachfrage kühlt spürbar ab

Um die geplanten Investitionen von rund 200 Milliarden Dollar für 2026 zu stemmen, platzierte Amazon in dieser Woche eine Anleihe über 25 Milliarden Dollar in acht Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und 40 Jahren. Die längste Tranche wurde mit einem Aufschlag von 125 Basispunkten gegenüber US-Staatsanleihen bepreist. Die Nachfrage erreichte 62 Milliarden Dollar – nur halb so viel wie bei der vorangegangenen Emission im März. Amazons Gesamtverschuldung kletterte damit um 81 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf rund 119 Milliarden Dollar, S&P bestätigte dennoch das AA-Rating. Parallel dazu verkauften Insider innerhalb von 90 Tagen Aktien im Wert von 51,6 Millionen Dollar, davon entfielen 20 Millionen Dollar auf CEO Andy Jassy. Der freie Cashflow lag wegen der hohen Investitionen von 44,2 Milliarden Dollar allein im ersten Quartal bei minus 2,5 Milliarden Dollar auf Zwölfmonatsbasis. Jassy bezeichnete die KI-Entwicklung dennoch als „einmalige Gelegenheit“. Der Auftragsbestand von AWS erreichte mit 364 Milliarden Dollar einen Rekordwert, darunter ein Vertrag mit Anthropic über 100 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit eigenentwickelten Chips wie Trainium und Inferentia wächst nach Unternehmensangaben mit dreistelligen Raten und hat inzwischen eine jährliche Umsatzrate von über 20 Milliarden Dollar erreicht.

Automatisierung und grüne Energie als weitere Bausteine

Abseits der Bilanzdebatte treibt Amazon seine operative Modernisierung voran. Mittlerweile sind mehr als eine Million Lagerroboter im Einsatz, nahezu so viele wie Mitarbeiter in der Logistik. Drei Viertel aller Lieferungen laufen inzwischen mit Roboterunterstützung, die KI-Software DeepFleet hat die Fahrzeiten in den Lagern um 10 Prozent gesenkt. Die Zahl der bearbeiteten Pakete je Mitarbeiter stieg von 175 im Jahr 2016 auf 3.870 im vergangenen Jahr. Amazon strebt bis 2027 eine Automatisierungsquote von 75 Prozent an. Im Energiebereich unterzeichnete der Konzern zudem einen Stromabnahmevertrag über 600 Megawatt mit Skyborn Renewables für den Offshore-Windpark Gennaker in der deutschen Ostsee – nach eigenen Angaben der größte Einzelvertrag für CO2-freie Energie in Deutschland. Die 63 Turbinen sollen ab Sommer 2026 gebaut werden und bis Ende 2028 mehr als eine Million deutsche Haushalte versorgen.

Q2-Zahlen als nächster Prüfstein

Der Markt richtet den Blick nun auf den 30. Juli 2026, wenn Amazon nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Der Konsens erwartet einen Umsatz von rund 196 Milliarden Dollar, innerhalb der eigenen Prognosespanne von 194 bis 199 Milliarden Dollar, sowie ein operatives Ergebnis zwischen 20 und 24 Milliarden Dollar. Der Prime Day fiel in diesem Jahr in das zweite Quartal, was die Umsatzdynamik zusätzlich stützen dürfte. Am selben Tag startet zudem das neue „Selection Program“ für Marktplatzhändler mit Lagergebührenbefreiungen und niedrigeren Vermittlungsgebühren. Mit Blick auf die technischen Marken notiert die Aktie derzeit 1,90 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 219,02 Euro, liegt aber 6,84 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 201,09 Euro. Der RSI von 52,6 signalisiert dabei weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 29,54 Prozent auf anhaltend hohe Schwankungsbreite hindeutet.

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