Starke Kursbilanz, kurzer Rücksetzer: Bei Amazon prallen aktuell zwei Signale aufeinander. Der Markt nimmt Gewinne mit, während große Wall-Street-Häuser ihre Kursziele anheben. Der Treiber ist nicht der Onlinehandel, sondern die nächste Etappe des KI-Ausbaus in der Cloud.
Die Aktie fällt am Freitag auf 226,10 Euro und verliert 1,76 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 16,96 Prozent in der Bilanz.
Der Abstand zum kurzfristigen Durchschnitt beträgt 11,81 Prozent, zum langfristigen 14,93 Prozent. Das zeigt: Der Rücksetzer trifft auf einen intakten Aufwärtstrend, nicht auf ein bereits angeschlagenes Chartbild.
Analysten setzen auf AWS
Die jüngsten Kursziele sprechen eine klare Sprache. Goldman Sachs bleibt bei „Buy“ und nennt 325 Dollar als Ziel, TD Cowen liegt mit 350 Dollar noch höher. Beide Häuser verweisen auf Amazons Position in der nächsten Phase des KI-Investitionszyklus.
Auch Bank of America und Mizuho bleiben optimistisch: Die Ziele liegen bei 310 Dollar beziehungsweise 325 Dollar. Im Schnitt bewegt sich der Analystenkonsens inzwischen bei rund 312,52 Dollar.
Der Kern der Argumentation ist AWS. Amazon soll stärker davon profitieren, wenn sich die KI-Ausgaben von reiner Chip-Nachfrage hin zu nutzbarer Infrastruktur verschieben. Hyperscaler wie Amazon können Rechenzentren, eigene Chips und Cloud-Dienste bündeln. Genau dort entsteht aus hohen Investitionen potenziell wieder Umsatz.
Teure Infrastruktur, klare Strategie
Amazon finanziert den Ausbau auch über den Kapitalmarkt. Eine Schweizer Anleihe brachte zuletzt rund 3,6 Milliarden Dollar ein. Das Geld soll in Rechenzentren und eigene KI-Hardware wie Trainium und Inferentia fließen.
Im zweiten Quartal trauen Analysten AWS ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren 30-Prozent-Bereich zu. Das ist ambitioniert, aber es erklärt, warum die Aktie trotz hoher Bewertung weiter Unterstützung von der Wall Street bekommt.
Die Kehrseite sind enorme Ausgaben. Einige Schätzungen sehen die Investitionen 2026 bei bis zu 200 Milliarden Dollar. Solange AWS stark wächst, kann der Markt diese Summen als Vorleistung akzeptieren. Schwächeres Cloud-Wachstum würde diese Rechnung schnell ungemütlicher machen.
Logistik bleibt ein zweiter Hebel
Neben der Cloud spielt Amazons Logistiknetz eine größere Rolle. Der Ausbau eigener Liefer- und Supply-Chain-Angebote setzt klassische Anbieter unter Druck; Wettbewerber wie UPS gerieten zuletzt deutlich unter Verkaufsdruck.
Operativ hat sich die Effizienz bereits gezeigt. Im jüngsten Quartal lag der Gewinn je Aktie bei 2,78 Dollar, erwartet worden waren 1,63 Dollar. Das war mehr als ein Zahlenbeat: Es unterstreicht, dass Amazon Kostenkontrolle und Skalierung wieder besser zusammenbringt.
Die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei 2,87 Billionen Dollar und ist seit Ende März um 28,6 Prozent gestiegen. Damit wächst auch die Bedeutung der Aktie in großen Indizes, was Kursbewegungen zusätzlich verstärken kann.
Die nächste Messlatte ist das zweite Quartal. Bestätigt AWS das erwartete Wachstum und hält Amazon die Margen trotz hoher Investitionen stabil, bekommt die Neubewertung Substanz. Rutscht die Cloud-Dynamik ab, dürften die hohen Ausgaben zum Hauptthema werden.
Amazon-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Amazon-Analyse vom 15. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Amazon-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Amazon-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
