Amazon nimmt einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge drei Milliarden US-Dollar in die Hand, um das Geschäft mit extrem schnellen Lieferungen in Indien massiv auszubauen. Wie zwei mit den Plänen vertraute Personen berichteten, soll die Summe bis zum Jahr 2030 in die Sparte fließen.
Eine Milliarde Dollar ist demnach bis Ende 2027 vorgesehen, weitere zwei Milliarden sollen in den darauffolgenden drei Jahren folgen. Der Konzern selbst äußerte sich nicht zu den genannten Beträgen.
Ausbau des Filialnetzes gegen etablierte Rivalen
Amazon zielt mit diesem Schritt auf eine deutliche Stärkung seines Dienstes Amazon Now. Das Netzwerk an lokalen Standorten soll von derzeit rund 750 bis April 2027 auf etwa 1.300 Einheiten steigen.
Das Angebot erzielte in den vergangenen drei Monaten annualisierte Bruttoumsätze von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die geplanten Mittel sollen vor allem in die Lagerverwaltung, Produktvielfalt für Güter des täglichen Bedarfs sowie KI-gestützte Nachfrageprognosen fließen.
Der Wettbewerb auf dem Subkontinent ist intensiv. Amazon kommt im indischen Schnellliefersektor bislang auf einen Marktanteil von 6,2 Prozent. Die drei führenden Anbieter Blinkit, Swiggy und Zepto vereinen zusammen 77 Prozent des Marktes auf sich und betreiben mehr als 4.500 Standorte. Zudem beansprucht der Konkurrent Flipkart elf Prozent bei über 1.000 Stützpunkten für sich.
Das Marktvolumen des Sektors liegt derzeit bei 19 Milliarden US-Dollar und dürfte nach Schätzungen des Analysehauses Datum Intelligence bis 2030 auf 41 Milliarden US-Dollar anwachsen.
Zugleich verschärfen regulatorische Rahmenbedingungen das geschäftliche Umfeld: Die indischen Behörden untersagten im Januar Werbeversprechen mit Zehn-Minuten-Lieferungen. Zudem wehrt sich das Unternehmen vor Ort weiterhin gegen Vorwürfe aus einem Kartellverfahren aus dem Jahr 2024.
Logistik-Offensive im US-Heimatmarkt
Parallel zur Expansion in Asien baut der Handelsriese seine Logistikdienste in den USA um. Der Konzern gab heute bekannt, dass Händler, die den Service Multi-Channel Fulfillment nutzen, künftig kostenlose Lieferungen für Prime-Kunden direkt auf ihren eigenen Internetseiten einbinden können.
Für die Abwicklung fallen dabei keine zusätzlichen Kosten über die regulären Fulfillment-Gebühren hinaus an. Die Prime-Berechtigung der Endkunden wird nach dem Checkout im Hintergrund überprüft.
Ein neues Gebührenprogramm gewährt Händlern in den ersten sechs Monaten zudem Preisnachlässe von 15 bis 25 Prozent. US-Verkäufer, die ihre Lagerbestände bündeln, verzeichnen nach Unternehmensangaben im Durchschnitt 19 Prozent weniger Lieferengpässe sowie zwölf Prozent schnellere Umschlagshäufigkeiten im Lager.
Kursentwicklung im Marktumfeld
An den Finanzmärkten reagierten Anleger zurückhaltend auf die Investitionspläne in den margenschwachen Lieferdiensten. Im heutigen Handel gab das Papier um 0,7 Prozent auf 217,50 Euro nach. Trotz der jüngsten Konsolidierung verzeichnet die Aktie seit Jahresbeginn ein Kursplus von zehn Prozent.
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