Amazon hat einen Anleiheverkauf über 25 Milliarden Dollar abgeschlossen, um einen Teil seines für 2026 geplanten Investitionsprogramms von rund 200 Milliarden Dollar in Rechenzentren, eigene Chips und KI-Infrastruktur zu finanzieren. Die Emission umfasst acht Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und vierzig Jahren, die längste Tranche wurde mit einem Aufschlag von 125 Basispunkten über US-Staatsanleihen platziert. Damit reiht sich Amazon in eine Welle von Tech-Konzernen ein, die ihre Bilanzen für den KI-Boom öffnen: Zusammen mit Alphabet, Meta, Nvidia, Oracle und SpaceX haben die großen US-Techfirmen laut 24/7 Wall St. im laufenden Jahr bereits 182 Milliarden Dollar an Anleihen begeben – ein Plus von rund 1.300 Prozent gegenüber den nur 13 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Schwächere Nachfrage als im März
Auffällig ist die Investorennachfrage: Für die aktuelle Emission gingen Zeichnungswünsche über 62 Milliarden Dollar ein. Das ist zwar ein Vielfaches des platzierten Volumens, liegt aber unter der Nachfrage von 37 Milliarden Dollar, die eine frühere Amazon-Anleihe im März auf ein deutlich kleineres Volumen anzog – ein Signal dafür, dass Anleger den KI-Schulden der Hyperscaler zunehmend kritischer gegenüberstehen. Laut Berichten von MarketWise bezeichnet Amazon die aktuelle Platzierung als letzte Anleiheemission des Unternehmens für das laufende Jahr. Amazon behält nach eigenen Angaben sein AA-Rating, bei einem Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA von 0,43x. Die Gesamtverschuldung des Konzerns kletterte im ersten Quartal 2026 dennoch auf 119 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 81 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
AWS wächst kräftig, doch der Cashflow leidet
Hinter dem Kapitalbedarf steckt die Cloud-Sparte AWS, die im ersten Quartal 2026 um 28 Prozent zulegte und einen Rekordauftragsbestand von 364 Milliarden Dollar aufbaute. CEO Andy Jassy bezeichnete die KI-Entwicklung als „einmalige Gelegenheit“ und verwies darauf, dass bestehende Kundenverpflichtungen bereits einen wesentlichen Teil der geplanten Investitionen absichern. Die Kehrseite: Der freie Cashflow brach im ersten Quartal auf nur noch 1,2 Milliarden Dollar ein, bei einem Capex von 44,2 Milliarden Dollar allein in diesem Zeitraum. Für die Jahre 2026 und 2027 rechnen Beobachter mit einem strukturellen FCF-Defizit von jährlich rund 40 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn des ersten Quartals war zudem durch einen Bewertungsgewinn von 16,8 Milliarden Dollar aus der Anthropic-Beteiligung verzerrt, was die operative Ertragslage zusätzlich verschleiert. Eine Analyse von 24/7 Wall St. verweist zudem auf außerbilanzielle Verpflichtungen der gesamten Hyperscaler-Branche von rund 1,8 Billionen Dollar, wovon ein Teil auch auf Amazon entfällt.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
Trotz der Bilanzsorgen bewerten Analysten die Aktie überwiegend positiv: 62 von 66 erfassten Analysten stufen Amazon mit Buy oder Strong Buy ein, das durchschnittliche Kursziel liegt laut 24/7 Wall St. bei 312,91 Dollar. Auch institutionelle Anleger setzen auf den Konzern – der Hedgefonds Bridgewater erhöhte seine Amazon-Position im ersten Quartal 2026 von 1,64 auf 4,08 Prozent des Portfolios und machte den Titel damit zur größten Einzelposition, während gleichzeitig Softwarewerte wie Salesforce und ServiceNow komplett abgestoßen wurden. Gegenläufig dazu verkaufte Jassy im zweiten Quartal Aktien im Wert von 20 Millionen Dollar, die gesamten Insiderverkäufe summierten sich in den vergangenen 90 Tagen auf 51,6 Millionen Dollar.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Amazon-Aktie notiert aktuell bei 214,50 Euro und gibt damit im Tagesverlauf um 0,86 Prozent nach, nach einem Schlusskurs von 216,35 Euro am Vortag. Auf Wochensicht steht ein Plus von 0,94 Prozent zu Buche, über 30 Tage ein Zuwachs von 4,03 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Titel mit 10,96 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sind es 12,87 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 238,05 Euro, erreicht Anfang Mai, notiert die Aktie derzeit knapp zehn Prozent entfernt, während der Abstand zum Jahrestief von 165,88 Euro rund 29 Prozent beträgt. Der Relative-Stärke-Index von 52,2 signalisiert eine neutrale Marktlage, die Aktie handelt zudem leicht unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 219,01 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 201,09 Euro.
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