Der Online-Riese Amazon sieht sich mit einer massiven juristischen Auseinandersetzung konfrontiert, die das hochprofitable Werbegeschäft des Konzerns ins Visier nimmt. Die US-Handelsbehörde FTC und 22 Generalstaatsanwälte haben Klage eingereicht, in der sie dem Unternehmen vorwerfen, Werbetreibende heimlich und systematisch übervorteilt zu haben.
Medienberichten zufolge soll Amazon durch Manipulationen an Preissystemen und Auktionen seit dem Jahr 2019 mehr als 20 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Einnahmen durch verdeckte Aufschläge generiert haben.
Schwere Vorwürfe gegen das Werbegeschäft
In der Klageschrift der FTC wird detailliert dargelegt, dass Amazon über einen Zeitraum von sieben Jahren die Preise für mehr als eine Million Marken und Verkäufer, die auf der Plattform werben, verdeckt angehoben habe.
Diese Praktiken sollen laut den Behörden dazu gedient haben, milliardenschwere Beträge von ahnungslosen Werbekunden abzuschöpfen. Parallel dazu reichte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton am 31. August eine eigene Klage wegen ähnlicher Vorwürfe ein.
Amazon reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme auf die Vorwürfe und bezeichnete die Klage als „irrig“. Das Unternehmen widersprach den Darstellungen der Behörden entschieden.
Am Markt sorgten die Nachrichten für Verunsicherung; die Aktie notierte am Freitag bei 222,55 Euro. Trotz der jüngsten Volatilität verzeichnet der Titel ein Plus von 13 Prozent seit Jahresbeginn. Damit notiert das Papier derzeit etwa 11 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 249,00 Euro.
Führungsebene veräußert Millionen-Pakete
Zusätzlich zu den regulatorischen Herausforderungen sorgten umfangreiche Aktientransaktionen aus der Führungsetage für Aufmerksamkeit. Am 26. August verkauften sechs hochrangige Führungskräfte an einem einzigen Tag Anteile im Gesamtwert von mehr als 15 Millionen US-Dollar.
CEO Andrew Jassy veräußerte 20.000 Aktien für rund 5,18 Millionen US-Dollar. Auch AWS-Chef Matthew Garman und CFO Brian Olsavsky trennten sich von Papieren im Wert von 3,76 Millionen beziehungsweise 1,6 Millionen US-Dollar.
Flankiert werden diese Verkäufe durch die Pläne von Gründer Jeff Bezos, der im August angekündigt hatte, Amazon-Aktien im Wert von bis zu 4 Milliarden US-Dollar abzustoßen. Bis zum 26. August waren davon bereits Anteile im Wert von rund 346 Millionen US-Dollar veräußert worden. Solche Insiderverkäufe werden von Anlegern häufig kritisch beobachtet, auch wenn sie oft Teil vorab festgelegter Verkaufspläne sind.
Cloud-Sparte AWS expandiert weiter
Trotz der juristischen Unruhen treibt Amazon die technische Entwicklung seiner Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) voran. Am 26. August gab das Unternehmen die Übernahme von DuckLabs bekannt, dem Team hinter der analytischen Open-Source-Datenbank DuckDB.
Die Gründer Hannes Mühleisen und Mark Raasveldt sollen das Team weiterhin von Amsterdam aus leiten. Wichtig für die Open-Source-Community: Das Projekt DuckDB selbst verbleibt bei einer unabhängigen Stiftung und wird nicht von Amazon übernommen.
Wirtschaftlich steht der Konzern nach einem starken zweiten Quartal auf einem soliden Fundament. Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar, wobei das AWS-Wachstum mit 36,7 Prozent zum fünften Mal in Folge an Dynamik gewann.
Für das laufende dritte Quartal erwartet Amazon einen Nettoumsatz zwischen 197 und 202 Milliarden US-Dollar. Die Ergebnisse für diesen Zeitraum werden nach offiziellen Planungen am 28. Oktober nach US-Börsenschluss veröffentlicht. Analysten erwarten im Konsens ein Ergebnis je Aktie von 2,00 US-Dollar.
Amazon-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Amazon-Analyse vom 06. September liefert die Antwort:
Die neusten Amazon-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Amazon-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 06. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
