Sphene Capital hat heute das Kursziel für Alzchem von 204,50 Euro auf 198,40 Euro gesenkt, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Der Anlagehorizont beträgt 24 Monate. Im Mittelpunkt stehen höhere Kosten der geplanten US-Nitroguanidin-Anlage. Während die Nachfrage aus Ernährung und Verteidigung das Spezialchemiegeschäft stützt, schaffen die Ausbaupläne zusätzliche Unsicherheit.
Die Analysten sehen damit weiterhin Chancen, bewerten diese aber vorsichtiger. Für Anleger kommt es darauf an, wie schnell neue Kapazitäten zum Wachstum beitragen und zu welchen Bedingungen Alzchem das US-Projekt umsetzen kann.
US-Projekt steht auf dem Prüfstand
Nach Einschätzung von Sphene Capital erfordern die höheren Kosten der geplanten US-Anlage Nachverhandlungen mit dem US-Kriegsministerium. Montega berichtet ebenfalls von einer Kosten- und Planungsprüfung. Der Produktionsstart ist für 2029/30 geplant.
Damit betrifft die Unsicherheit einen längerfristigen Wachstumsschritt. Für das nähere Geschäft sind dagegen die Erweiterungen in Deutschland entscheidend. Die zusätzlichen Nitroguanidin-Kapazitäten sind bereits in Betrieb gegangen. Das berichtete CEO Andreas Niedermaier im gestrigen Quartalsgespräch.
Montega erwartet im vierten Quartal erste Umsätze aus der deutschen Anlage. Der volle Wachstumseffekt soll nach Einschätzung des Analysehauses ab dem zweiten Halbjahr 2027 einsetzen. Die deutschen Kapazitätserweiterungen für Human Nutrition laufen Sphene Capital zufolge planmäßig.
Spezialchemie trägt, Basisgeschäft bremst
Die operative Entwicklung erklärt, warum beide Häuser trotz der Belastungen positiv bleiben. Kreatin für die Humanernährung und Nitroguanidin für Verteidigungsanwendungen stützen das Spezialchemiegeschäft. Im Segment Basics & Intermediates belasten dagegen eine schwache Nachfrage aus Landwirtschaft und Pharma sowie höhere Energie- und Rohstoffkosten.
Im dritten Quartal 2026 erreichte der Konzernumsatz 139,9 Millionen Euro. Das entsprach einem Plus von 1,9 Prozent. Die Zuwächse im Spezialgeschäft konnten die Belastungen auf Ergebnisebene jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Das EBITDA sank um 3,5 Prozent auf 28,7 Millionen Euro. Alzchem verfehlte damit den Konsens von 29,9 Millionen Euro.
Über die ersten neun Monate blieb die Entwicklung dennoch aufwärtsgerichtet. Das Quartal zeigt somit keine einheitliche Wachstumsschwäche, sondern eine deutliche Kluft zwischen den Geschäftsbereichen.
Für die ersten neun Monate 2026 meldete Alzchem einen Umsatz von 443,8 Millionen Euro und ein EBITDA von 93,2 Millionen Euro.
Schlussquartal muss die Expansion bestätigen
Alzchem bestätigte die Jahresprognose mit rund 600 Millionen Euro Umsatz und 126 Millionen Euro EBITDA. Laut Montega erfordert das Umsatzziel im Schlussquartal ein Wachstum von fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die ersten Erlöse aus den erweiterten deutschen Nitroguanidin-Kapazitäten erhalten dadurch besonderes Gewicht. Sie sollen das Wachstum beschleunigen, während das Basisgeschäft weiterhin belastet. Der größere Beitrag des Ausbaus liegt nach Einschätzung der Analysten allerdings noch vor dem Unternehmen.
Montega bestätigte heute die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 220 Euro auf zwölf Monate. Für 2026 erwartet das Haus zudem einen etwa ausgeglichenen freien Cashflow.
Die beiden Kaufurteile verdecken daher keine einhellige Bewertung der Risiken. Entscheidend bleiben der Umsatzanlauf in Deutschland und die Kostenklärung in den USA: Sie bestimmen, wie verlässlich aus der Expansion zusätzliches Wachstum wird.
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