Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Aktie des Technologie-Konzerns Alphabet hat infolge der Zahlenbekanntgabe auf Wochensicht fast 10% abgegeben. Historisch betrachtet waren solche Rücksetzer bei Alphabet häufig exzellente Kaufgelegenheiten, weil sie oft mit vorgezogenen Zukunftsinvestitionen statt einer echten operativen Schwäche einhergingen, und es ist durchaus wahrscheinlich, dass der vage begründete Rücksetzer auch diesmal neue Allzeithochs nicht lange verhindern wird.
Beginnen wir mit den Zahlen: Alphabet hat im Geschäftsjahr 2025 erstmals einen Jahresumsatz von über 400 Milliarden USD erzielt, nämlich ungefähr 402,8 Mrd. USD, und das bei einem Nettogewinn von etwa 34,5 Mrd. USD im Schlussquartal allein. Im vierten Quartal wuchs der Umsatz auf rund 113,8 Mrd. USD, was einem Plus von rund 18% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Der Gewinn je Aktie lag bei etwa 2,82 USD, und die operative Performance blieb trotz erhöhter Ausgaben robust. Besonders bemerkenswert ist das Wachstum bei Google Cloud, wo der Umsatz um rund 48% gesteigert wurde und damit so rasant wie seit 4 Jahren nicht mehrt. Obendrein hat das klassische Werbegeschäft – bestehend aus dem Suchmaschinengeschäft und YouTube – ebenfalls zweistellige Zuwächse generiert.
Alphabet verdoppelt KI-Investition – Anleger reagieren not amused
Die negative Marktreaktion trotz der starken Ergebnisse hat zwei Hauptgründe. Erstens signalisierte Alphabet für 2026 eine deutliche Erhöhung seiner Investitionen in Infrastruktur, Rechenzentren und KI-Modelle – was kurzfristig mehr (Investitions-)Kosten bedeutet. Analysten modellierten 115 Mrd. USD, Alphabet plant zwischen 175 und 186 Mrd. USD für KI zu investieren, fast doppelt so viel wie 2025. Gerade in der aktuellen Marktphase, in der bei allen Konzernen stark hinterfragt wird, ob die KI-Investitionen sich am Ende auszahlen werden, ist diese Guidance den Anlegern schwer zu vermitteln.
Den zweiten Grund sehen manche Anleger im Werbegeschäft. Wie schon im Vorjahr wird befürchtet, dass durch KI die Einkommensquelle zukünftig nicht mehr so stark sprudeln wird, weil der geldbringende Klick nach einer Google-Suche ausbleibt. Diese Sichtweise führte wie schon einmal im Vorjahr zu Vorsicht und Gewinnmitnahmen bei der Aktie, obwohl die operativen Kennzahlen weiterhin beeindruckend blieben.
Waymo mehr als nur eine Wette
Ein besonders interessantes Themenfeld neben den Kerngeschäftsbereichen Cloud und Werbung ist die Entwicklung der Sparte „other bets“ in der die Tochter Waymo, Alphabets selbstfahrender Mobilitätssparte zu Hause ist. In einer bemerkenswerten Entwicklung steht Waymo jetzt im Zentrum einer großen Finanzierungsrunde, die die Perspektiven für die Einheit verändert.
Das Unternehmen strebt eine Finanzierung über rund 16 Mrd. USD an, die eine Bewertung von etwa 120 Mrd. USD für Waymo impliziert. Diese Größenordnung ist keine „Wette“ mehr, wie der Spartenname suggeriert, sondern ein bedeutender Wert, der Waymo zu einem der größten privaten Unternehmen weltweit macht. Lange Zeit kritisierten Investoren den „Other Bets“-Bereich als unnötigen Kostentreiber, jetzt zeigt sich, dass es sich auszahlt, wenn eine dieser Wetten aufgeht.
Was an dieser Entwicklung besonders ist: Externe Investoren – darunter große Beteiligungsgesellschaften – beteiligen sich gemeinsam mit Alphabet an dieser Runde. Damit wird Waymo ein bilanziell bewertbares Unternehmen. Die jetzige Finanzierungsrunde ist dabei nur ein erster Fingerzeig, wie wertvoll Waymo noch werden könnte.
Waymo hat bereits über 20 Mio. kommerzielle Fahrten absolviert und mehr als 125 Mio. autonome Meilen gefahren. Der Vorsprung gegenüber Teslas Projekt ist enorm, und schafft es Waymo als erstes in den Robotaxi-Markt US-amerikanischer Großstädte, dürfte es in der Kasse besonders laut klingeln.
Bis dahin dauert es noch ein wenig und es gibt auch Herausforderungen: Die regulatorische Aufsicht für autonome Fahrzeuge bleibt komplex, besonders wenn man später ins Ausland gehen möchte (UK, Deutschland). Und auch die operative Profitabilität ist noch nicht erreicht, das Geschäft bleibt also vorerst in der Investitionsphase. Doch die Tatsache, dass Waymo in einer extern unterstützten Runde schon heute eine solche Bewertung bekommt, spricht für das Vertrauen in das Geschäftsmodell – und für das Management, dass diese Chance doch bitte konsequent weiter verfolgen soll.
Zu viele positive Aspekte: Rücksetzer auch diesmal eine Kaufgelegenheit
Alphabet wird zunehmend als Technologie-Unternehmen verstanden, das nicht nur in seinen etablierten Segmenten stark ist, sondern auch neue Ertragsfelder erschließt, die eine höhere Bewertung rechtfertigen. Für mich ist das absolut gerechtfertigt. Der Konzern dreht strategisch voll auf, wie der Blick auf die KI-Investitionen nebst 20 Mrd.- Anleihen-Emission zeigt. Das Unternehmen begreift das Jahr 2026 als Übergangsphase, in der die Grundlage für die nächste Wachstumswelle gelegt wird. Die Ausgaben steigen signifikant – vor allem für Rechenzentren, Chips, KI-Rechenleistung und globale Serverinfrastruktur.
Der Ausbau der Gemini-Modelle, die inzwischen in einem wachsenden Teil der Google-Produkte eingesetzt werden, ist (leider) kapitalintensiv, aber notwendig, um das Produktportfolio gegen Wettbewerber wie Microsoft, Meta oder Amazon abzusichern. Zudem treibt Alphabet die Monetarisierung durch KI-gestützte Ads, YouTube-Optimierung, automatisierte Search-Antworten und Cloud-KI-Services voran.
Ein Unternehmen, das vorhandene Cashflows nutzt, um die vorhandene Angebotspalette zu stärken und in zukünftige Wachstumsfelder zu investieren, gefällt mir immer gut – Alphabet besonders! Wer Alphabet kauft und über Jahre hält, setzt auf ein Unternehmen mit breiter Ertragsbasis und jede Menge Extra-Chancen. Der Konzern ist aus meiner Sicht ohne Kursziel ein Alltime-Buy und sollte fester Bestandteil eines jeden auf Technologie-Aktien ausgerichteten Depots sein.
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