Google bezahlt offenbar erstmals Verlage für Inhalte, die in seinen KI-Antworten auftauchen. Für einen Konzern, der bislang stets betont hat, Publisher müssten für die Nutzung ihrer Texte in der Suche nicht entlohnt werden, wäre das ein bemerkenswerter Kurswechsel.
Pilotprogramm mit rund 100 Verlagen
Nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens läuft derzeit ein Pilotprogramm mit etwa 100 digitalen Verlagen. Die Zahlungen betreffen Inhalte, die in KI-gestützten Antworten in der Suche und in weiteren Produkten verwendet werden. Bislang argumentierte Google, die Fragen der Nutzer lenkten Verkehr auf die Webseiten der Anbieter.
Genau dieser Verkehr ist mit den KI-Zusammenfassungen, den sogenannten AI Overviews, deutlich geschrumpft. Das sorgte für breite Beschwerden und Klagen einzelner Verlage. Das Pilotprojekt könnte ein Versuch sein, diesen Druck zu entschärfen.
Mit am Tisch im Weißen Haus
Politisch stand Alphabet ebenfalls im Rampenlicht. Konzernchef Sundar Pichai unterzeichnete gemeinsam mit den Chefs von Meta, Nvidia, OpenAI und Anthropic eine Vereinbarung im Weißen Haus. Sie fordert interne Kontrollen für KI-Modelle, eine eigene Überwachungseinheit, externe Prüfer und ein unabhängiges Aufsichtsgremium im Verwaltungsrat. Pichai nannte den Moment „historisch und folgenreich“.
Verbindlich ist das Papier nicht. Präsident Trump bezeichnete es als „moralisch bindend“. Senator Mark Warner hält dagegen und hat einen Gesetzentwurf für verpflichtende Tests leistungsstarker Modelle vorgelegt. Eine Umfrage von Verasight zeigt zudem, dass 63 Prozent der Befragten ein langsameres KI-Tempo wünschen.
Kapitalhunger und Kursbild
Die Kehrseite des KI-Booms ist der Finanzierungsbedarf. Goldman Sachs erwartet, dass Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle 2027 zusammen rund 420 Milliarden Dollar neue Schulden aufnehmen. Das wären 60 Prozent mehr als 2026. Steigende Anleiherenditen, die zehnjährige US-Rendite liegt bei knapp 5,3 Prozent, verteuern solche Kredite.
An der Börse überwog am Mittwoch dennoch die Zuversicht. Die Aktie schloss am Dienstag bei 340,92 Dollar, ein Minus von 0,53 Prozent. Im Handel am Mittwoch legte sie zuletzt um rund 2,5 Prozent zu und zählte zu den stärkeren Mega-Caps des Tages.
Ob weitere Verlagsdeals folgen, dürfte sich an der Ausweitung des Pilotprogramms zeigen. Die Vereinbarung im Weißen Haus sieht vor, dass die beteiligten Konzerne regelmäßig zusammenkommen, um Standards für die Sicherheit ihrer Systeme festzulegen.
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