Google bekommt neue Verbündete für sein Anzeigengeschäft. Gleichzeitig rücken Suchrisiken und Wettbewerb durch KI-Agenten in den Blick von Analysten. Wenige Tage vor den Quartalszahlen sortiert sich das Bild neu.
Google Ads zieht in Picsart ein
Die KI-Plattform Picsart hat ein „Marketing Studio“ gestartet, das Inhalte, Strategie, Kreativtests und bezahlte Verbreitung bündelt. Kernstück ist eine Integration von Google Ads. Unternehmen können Kampagnen direkt in Picsart anlegen und starten. Zielgruppe sind vor allem kleine Betriebe, Solopreneure und Performance-Marketer.
Aus Google-Sicht ist das ein Vertriebskanal mit Reichweite: Picsart nennt mehr als 100 Millionen aktive Nutzer pro Monat. Ein Google-Manager erklärte, man wolle kleinen Unternehmen helfen, Kampagnen schneller zu starten und auf Basis der tatsächlichen Leistung nachzujustieren.
Parallel dazu öffnet Google seine KI weiter. Gemini steht nun auch Nutzern von Apple Carplay in Google Maps zur Verfügung. Android-Fahrer konnten den Assistenten bereits länger über Android Auto nutzen.
Citizens senkt das Ziel
Weniger rosig fällt die Analystenseite aus. Citizens senkt das Kursziel von 515 auf 450 Dollar, bleibt aber bei „Market Outperform“. Die Begründung: Ausführungsrisiken und wachsende Vorsicht im Suchgeschäft. Agenten setzten Alphabet unter Druck, eine weitere Neuausrichtung sei nötig.
Die Bewertungsbasis rutscht damit nach unten. Citizens legt nun das 28-Fache des erwarteten Gewinns je Aktie für 2027 an, zuvor war es das 32-Fache. Trotzdem hält das Haus an einem Aufschlag zum Markt fest. Alphabet sei in Suche, KI, Online-Video und über die Beteiligung an Waymo breit aufgestellt.
Andere Häuser sind optimistischer. BMO hob sein Ziel auf 480 Dollar und verweist auf das Wachstum von Google Cloud. Truist erwartet für das dritte Quartal ein Umsatzplus im mittleren 20-Prozent-Bereich, im Einklang mit dem Markt.
Risiken am Rand
Ein Störfall in der Londoner Cloud-Region hatte zuletzt mehrere Kunden getroffen, darunter die Digitalbank Revolut. Hinzu kommt, dass der Handel mit Kreditausfallversicherungen auf Alphabet und andere Tech-Konzerne laut Morgan Stanley Research zugenommen hat. Investoren sichern sich damit offenbar gegen Schulden aus dem KI-Ausbau ab.
Auch die Politik meldet sich: Die Chefin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, Claudia Plattner, kritisierte die großen KI-Anbieter für laxen Umgang mit Sicherheit und brachte Haftungsfragen ins Spiel. Alphabet wurde dabei nicht gesondert genannt.
Die Aktie schloss zuletzt bei 334,76 Dollar, ein Minus von 1,62 Prozent. Am 28. Oktober legt Alphabet die Zahlen zum dritten Quartal vor. Dann zeigt sich, ob Cloud-Wachstum und Werbegeschäft die Sorgen um die Suche aufwiegen.
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