Die Aktie des Google-Mutterkonzerns Alphabet zeigt Anzeichen einer Stabilisierung und konnte gestern im deutschen Handel um 2,3 Prozent auf 299,20 Euro zulegen. Damit erholt sich das Papier weiter von den Kursturbulenzen, die Anfang August durch einen umfassenden Umbau der Führungsebene im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) ausgelöst worden waren.
Bei einer Marktkapitalisierung von 3.601,50 Milliarden Euro rückt zudem die Expansion der Tochtergesellschaft Waymo sowie die Beilegung juristischer Auseinandersetzungen in den Fokus der Anleger.
Millionen-Vergleich im Streit um App-Store-Dominanz
Alphabet hat sich am Donnerstag mit Klägern in Großbritannien auf einen bedeutenden Rechtsvergleich geeinigt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, zahlt das Unternehmen rund 260 Millionen Pfund (etwa 353 Millionen US-Dollar), um eine Klage im Zusammenhang mit dem Google Play Store beizulegen.
Dem Konzern war vorgeworfen worden, seine marktbeherrschende Stellung durch die Standardprovision von 30 Prozent für App-Entwickler missbraucht zu haben.
Parallel dazu bleibt der regulatorische Druck in Großbritannien jedoch hoch. Am 5. August ließ das britische Wettbewerbsgericht eine Sammelklage im Namen hunderttausender Unternehmen zu, die Google ebenfalls einen Missbrauch der Marktdominanz vorwirft.
Das Gericht lehnte den Versuch von Google ab, das Verfahren in seiner jetzigen Form zu stoppen. Trotz dieser juristischen Altlasten werten Marktteilnehmer die aktuelle Einigung als wichtigen Schritt, um finanzielle Risiken aus derartigen Verfahren kalkulierbarer zu machen.
Waymo visiert deutschen Markt für autonomes Fahren an
Abseits der Gerichtssäle treibt Alphabet die Kommerzialisierung seiner Technologie für autonomes Fahren voran. Die Tochtergesellschaft Waymo plant, bis Ende nächsten Jahres fahrerlose Ride-Hailing-Dienste in Deutschland anzubieten. Dies wäre der erste Markteintritt des Unternehmens innerhalb der Europäischen Union.
Wie unter anderem Reuters meldet, wird Waymo zunächst eine kleine Flotte vollelektrischer Jaguar I-PACE-Fahrzeuge in mehreren Münchener Stadtbezirken einsetzen.
In dieser ersten Phase werden speziell geschulte Testfahrer die Fahrten begleiten, um lokale Karten zu erstellen und das System an die spezifischen Verkehrsbedingungen in München anzupassen.
Deutschland stellt nach den USA und anderen geplanten Standorten den dritten internationalen Markt für den „Waymo Driver“ dar. Die Expansion unterstreicht das Ziel des Konzerns, die führende Position im Bereich der autonomen Mobilität über den US-Heimatmarkt hinaus zu festigen.
Führungswechsel und technische Modellpflege im KI-Segment
Im Bereich der Künstlichen Intelligenz setzt Alphabet auf personelle und technische Neuerungen, um Verzögerungen bei Flaggschiff-Modellen entgegenzuwirken.
Medienberichten zufolge ist die Auslieferung von Gemini 3.5 Pro derzeit einige Monate im Verzug, da das Unternehmen zusätzliche Zeit für Optimierungen, insbesondere bei Programmierfähigkeiten, investiert. Um die Schlagzahl zu erhöhen, wurde am 13. August bereits das Modell Gemini 3.7 Flash veröffentlicht.
Diese technische Entwicklung wird von einem tiefgreifenden Umbau der KI-Führung begleitet. Anfang August trat Demis Hassabis von der operativen Leitung bei Google DeepMind zurück, um die Rolle des Chief Scientist für Alphabet zu übernehmen.
Die Verantwortung für die Roadmap der Gemini-Modelle und das Tagesgeschäft ging an CTO Koray Kavukcuoglu über, der nun direkt an CEO Sundar Pichai berichtet. Jeff Dean, ein langjähriger Veteran des Unternehmens, hat Alphabet im Zuge dieser Umstrukturierung verlassen.
Finanziell steht der Konzern trotz der hohen Investitionen auf einem soliden Fundament, auch wenn die Investitionsausgaben (Capex) für das laufende Jahr auf eine Spanne von 195 bis 205 Milliarden US-Dollar angehoben wurden. Vor gut drei Wochen meldete Alphabet für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg von 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar.
Für Anleger bleibt zudem die Dividende relevant: Alphabet hat eine Ausschüttung von 0,22 US-Dollar angekündigt, deren Ex-Tag der 4. September ist. Aktuell notiert die Aktie mit einem Abstand von 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
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