Google setzt bei der Weiterentwicklung seiner künstlichen Intelligenz auf ein zweistufiges Vorgehen aus Modellinnovation und neuer Infrastruktur. Gestern stellte der Alphabet-Konzern sein Spitzenmodell Gemini 4 Argon vor.
Der Rollout erfolgt zunächst in einem eng gesteckten Rahmen: Zugriff erhalten vorerst ausgewählte Cybersicherheitsexperten über das sogenannte Fairwind-Programm. Das Unternehmen plant, die Verfügbarkeit später auf Entwickler, Unternehmen sowie zahlende API-Kunden und Abonnenten von Google AI Ultra auszuweiten.
Parallel zum Modellstart testet der Konzern ungewöhnliche Wege für seine Rechenkapazitäten. Ebenfalls gestern startete der erste Demonstrationssatellit des Projekts Suncatcher an Bord einer Transporter-18-Mission von SpaceX, wie der Partner Planet Labs mitteilte.
Der Prototyp dient dazu, den Einsatz von Googles TPU-Chips im Orbit zu erproben und weltraumgestützte KI-Berechnungen zu erforschen. Erste Signale des Satelliten wurden bereits empfangen und die Inbetriebnahme eingeleitet.
Politischer Schulterschluss und Brüsseler Gegenwind
Die technologischen Schritte fallen in eine Phase intensiver regulatorischer Weichenstellungen. Am Dienstag unterzeichnete Alphabet-Chef Sundar Pichai gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump und weiteren Vertretern führender Technologiekonzerne eine freiwillige Vereinbarung zu Sicherheitsstandards.
Die im Weißen Haus vorgestellte Übereinkunft sieht unter anderem unabhängige Prüfungen für moderne KI-Systeme vor, wie die Nachrichtenagentur AP meldete.
In Europa schlägt der Konzern dagegen einen konfrontativen Kurs ein. Laut Reuters ging Google am Dienstag juristisch gegen zwei Anordnungen der EU-Kommission im Rahmen des Digital Markets Act vor.
Die europäischen Vorgaben verlangen unter anderem, KI-Wettbewerbern den Zugang zu Gemini-bezogenen Diensten zu erleichtern und konkurrierenden Suchmaschinen Zugriff auf Google-Suchdaten zu gewähren. Der Konzern argumentiert, diese Auflagen gefährdeten den Datenschutz und die Systemsicherheit.
Analysten heben Kursziel an
An der Wall Street stößt die Kombination aus eigener Hardware und Cloud-Wachstum auf Zustimmung. Das Analysehaus Piper Sandler erhöhte am Montag sein Kursziel für die Alphabet-Aktie von $395 auf $400 und bestätigte die Einstufung mit Overweight. Als Begründung nannten die Analysten erwartete Erlöse aus dem Verkauf von TPUs sowie angehobene Umsatzprognosen für die Cloud-Sparte von Google.
Am Aktienmarkt zeigten sich die Anleger zuletzt zurückhaltender. Im gestrigen Handel gab der Kurs um 1,0 Prozent nach und beendete den Donnerstag bei 301,00 Euro. Damit notiert das Papier weiterhin knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 298,69 Euro. Für Marktteilnehmer bleibt die schrittweise Monetarisierung neuer Modelle sowie der Ausgang der juristischen Auseinandersetzungen in Europa richtungweisend.
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