Alphabet steuert auf den größten Kursrutsch nach Quartalszahlen seit dem Börsengang 2004 zu. Vorbörslich verlor die Aktie rund 10 Prozent. Der Grund liegt weniger im Cloud-Geschäft als in der Suche, dem profitabelsten Segment des Konzerns.
Suche verfehlt zum zweiten Mal in Folge
Das Suchgeschäft wuchs im dritten Quartal um 12 Prozent auf rund 63 Milliarden Dollar und blieb damit zum zweiten Mal in Folge hinter den Schätzungen zurück. Im ersten Quartal hatte das Plus noch bei 19 Prozent gelegen. Dabei erreichte die Zahl der Suchanfragen laut Alphabet den höchsten Zuwachs seit fünf Jahren.
Diese Lücke zwischen Nutzung und Umsatz beunruhigt Investoren. Sie fürchten, dass KI-Chatbots und Agenten Suchvolumen abziehen oder Anfragen schlechter monetarisiert werden. Das Management führt die Abschwächung vor allem auf Wechselkurse zurück, die im Schlussquartal noch stärker belasten sollen. „Dies könnte das Quartal sein, das wir befürchtet haben“, sagte Analyst Gil Luria von D.A. Davidson.
Insgesamt verfehlte der Konzern bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen. Der Umsatz stieg um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 2,12 Dollar deutlich unter den erwarteten rund 3,01 Dollar.
Cloud glänzt, der Cashflow dreht ins Minus
Das Cloud-Geschäft liefert den Gegenpol: Der Umsatz verdoppelte sich auf knapp 31 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand erreichte rund 560 Milliarden Dollar. Alphabet verkauft inzwischen auch eigene KI-Chips (TPUs) an externe Kunden.
Dafür fließt viel Geld ab. Der freie Cashflow lag bei minus 9,1 Milliarden Dollar, erwartet war ein Defizit von etwa 2,7 Milliarden. Die Investitionsprognose für 2026 bleibt bei 195 bis 205 Milliarden Dollar, im Jahr 2027 sollen die Ausgaben deutlich steigen. Finanzchefin Anat Ashkenazi verwies darauf, dass Zahlungen erst eingehen, wenn die TPU-Systeme geliefert und abgerechnet werden.
Microsoft zeigt, wie der Markt reagiert, wenn Investitionen und Cashflow besser zusammenpassen. Dessen Aktie legte vorbörslich zu, obwohl auch dort die Ausgaben stiegen. Marktanalyst Jochen Stanzl fasste es so zusammen: Der Markt belohne Ausgabendisziplin und bestrafe Investitionen ohne Cashflow-Deckung.
Analysten bleiben überwiegend positiv
Die Reaktionen der Analysten fallen gemischt aus, die meisten halten an ihrer positiven Haltung fest:
- Barclays senkt das Kursziel auf 405 Dollar (zuvor 425), Rating „Overweight“
- Morgan Stanley kappt das Ziel auf 375 Dollar (zuvor 400)
- KeyBanc reduziert auf 385 Dollar (zuvor 410)
- Bernstein geht auf 325 Dollar (zuvor 385) zurück
- Canaccord bestätigt 450 Dollar und „Buy“
Citizens stufte die Aktie dagegen auf „Market Perform“ ab und verweist auf erhebliche Umsetzungsrisiken beim Wandel der Suchmonetarisierung hin zu KI-Agenten. Barclays-Analyst Ross Sandler spricht von einem „Code Yellow“ für Investoren, nicht aber von einem Szenario, in dem KI das Kerngeschäft zerstört.
Als nächste Wegmarke nennt Citizens den geplanten Start eines Verbraucher-Agenten bis Jahresende. Ob Alphabet damit die Monetarisierung der Suche in die KI-Ära überführt, dürfte sich schon vor den Zahlen zum Schlussquartal andeuten.
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