Alphabet geht erneut an den Anleihemarkt. Die Google-Mutter platziert eine Euro-Anleihe über 6 Milliarden Euro und trifft dabei auf reichlich Nachfrage. Der Zeitpunkt fällt in eine Phase, in der Anleger die Kosten des KI-Ausbaus kritisch hinterfragen.
Siebenfach überzeichnet
Die Emission ist in sieben Tranchen aufgeteilt, sechs mit festem und eine mit variablem Zins. Die Laufzeiten reichen von zwei bis 19 Jahren. Die Nachfrage lag bei mehr als 17 Milliarden Euro, also fast dem Dreifachen des Volumens. Es ist die zweite Euro-Anleihe des Jahres nach einer Platzierung über 9 Milliarden Euro im Mai. Die Erlöse sollen in die allgemeine Unternehmensfinanzierung fließen, auch eine Rückzahlung bestehender Schulden ist möglich.
Hintergrund sind die Rekordinvestitionen. Für 2026 plant Alphabet Investitionen von bis zu 205 Milliarden Dollar, vor allem für KI-Infrastruktur und Rechenzentren. Im dritten Quartal rutschte der freie Cashflow deshalb ins Minus, der Konzern finanziert den Ausbau zunehmend über den Kapitalmarkt. Die langfristigen Schulden stiegen seit Ende 2025 von 46,5 auf 125,1 Milliarden Dollar.
Rekordverlust nach den Zahlen
Die Quartalszahlen hatten die Aktie zuvor schwer getroffen. Am Donnerstag verlor das Papier 12,29 Prozent und schloss bei 282,32 Dollar, der größte Tagesverlust der Börsengeschichte. Rund 500 Milliarden Dollar Börsenwert verschwanden an einem Tag.
Umsatz und Gewinn je Aktie lagen unter den Erwartungen, vor allem die Suche wuchs mit 12 Prozent langsamer als erhofft. Werbeplätze im KI-Modus bringen bislang weniger ein als die klassische Trefferliste.
Die Cloudsparte lieferte das Gegenstück: Der Umsatz verdoppelte sich auf 30,7 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand der Sparte liegt bei gut 560 Milliarden Dollar.
Analysten kürzten reihenweise die Ziele, blieben aber überwiegend bei ihren Kaufvoten. Goldman Sachs senkte auf 385 Dollar, JPMorgan auf 375 Dollar, UBS auf 332 Dollar bei „Neutral“. Citizens stufte die Aktie sogar auf „Market Perform“ ab.
Technisch angeschlagen
Der Chart zeigt ein gemischtes Bild. Der RSI ist mit rund 22 extrem überverkauft, was Raum für eine Gegenbewegung lässt. Zugleich notiert die Aktie unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, ein Death Cross wurde ausgelöst. Die Unterstützung bei 300 Dollar fiel per Kurslücke. Bei rund 275 Dollar liegt das jüngste Tief, darunter rücken 250 Dollar in den Blick. Erholungen stoßen zunächst bei 300 Dollar auf Widerstand.
Die nächste Orientierung liefern die Zahlen zum vierten Quartal. Dann will Alphabet die Investitionsplanung für 2027 konkretisieren. Finanzchefin Anat Ashkenazi hat bereits angekündigt, dass die Ausgaben im kommenden Jahr nochmals deutlich steigen.
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