Während die Aktie charttechnisch an der 340-Dollar-Marke klebt, zeigt sich das fundamentale Bild deutlich freundlicher. Rosenblatt hat die Coverage für Alphabet mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 410 Dollar aufgenommen – ein Aufschlag von rund 19 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Die Begründung: Die Sorgen um das Kerngeschäft Suche seien weitgehend eingepreist, jetzt rücke die Rolle als Infrastruktur-Anbieter für Künstliche Intelligenz in den Vordergrund.
Konkret sieht Rosenblatt im Cloud-Geschäft den entscheidenden Wachstumstreiber. Die operative Marge soll dort weiter zulegen, gestützt durch steigende Kapazitäten und die Monetarisierung der eigenen TPU-Chips über das Jahr 2027 hinaus. Als Risiko für die Investmentthese nennt das Analystenhaus explizit eine mögliche Wachstumsverlangsamung in der Cloud-Sparte – nicht neue Konkurrenz im Suchgeschäft.
Google baut an mehreren Fronten gleichzeitig
Der Optimismus der Analysten fällt in eine Woche, in der Google auf breiter Front neue Produkte vorstellt. Die Gemma-Modellfamilie hat die Marke von einer Milliarde Downloads überschritten, mit Einsätzen von NASA und Satellitenbetreibern bis hin zu Indiens Gesundheitsbehörde. Parallel dazu bündelt Google seinen Coding-Agenten Antigravity in die Gemini-Enterprise-Abos und baut Personalisierungsfunktionen in Suche und News aus.
Bei Waymo geht der Konzern einen strategischen Schritt weiter: Die Robotaxi-Tochter hat einen eigenen Chip entwickelt und macht sich damit unabhängiger von Nvidia. Der bei TSMC gefertigte Baustein soll mehr als 1.000 TOPS leisten – ein Wert auf Augenhöhe mit aktuellen Nvidia-Systemen für autonomes Fahren.
Die Entwicklung passt zu einem Muster, das sich bei Alphabet zuletzt verstärkt zeigt: eigene Halbleiter statt Fremdbezug, um die steigenden Kosten der KI-Infrastruktur in den Griff zu bekommen.
Werbegeschäft bekommt neue Konkurrenz
Nicht alle Nachrichten der Woche sprechen für Alphabet. Ab dem 24. August schaltet OpenAI Werbung in ChatGPT für 31 europäische Märkte frei und greift damit direkt das Kerngeschäft von Google an.
Die Dimensionen bleiben allerdings vorerst ungleich: Google erzielte 2025 allein über die Google-Suche rund 225 Milliarden Dollar Werbeumsatz, hinzu kamen etwa 40 Milliarden Dollar über YouTube. OpenAI peilt für die kommenden vier Jahre einen Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar an – über alle Geschäftsbereiche hinweg.
Die Aktie selbst bewegt sich charttechnisch in einer engen Spanne zwischen der Unterstützung bei 340 Dollar und dem Widerstand bei 350 Dollar, unterhalb der wichtigen gleitenden Durchschnitte. Ob sich die fundamentale Stärke – niedriges PEG-Verhältnis, zweistelliges Umsatzwachstum – gegen den technischen Abwärtsdruck durchsetzt, dürfte sich an einem Ausbruch aus dieser Range zeigen.
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