Wenn Warren Buffett nachkauft, ist das selten Zufall. Berkshire Hathaway hat seine Alphabet-Position im zweiten Quartal 2026 um 17 Milliarden Dollar aufgestockt und hält nun rund 106 Millionen Aktien der Klassen A und C. Damit ist Alphabet die drittgrößte Position im Aktienportfolio des Starinvestors. Das ist eine bemerkenswerte Volte: Buffett galt lange als jemand, der Technologiewerte mit ihren unklaren Kapitalintensitäten skeptisch beäugt. Nun setzt er ausgerechnet in einer Phase auf Alphabet, in der der Konzern so viel Geld verbrennt wie nie zuvor.
Genau darin liegt die eigentliche Geschichte hinter der Aktie, die aktuell bei 296,75 Euro notiert und binnen sieben Tagen 4,1 Prozent verloren hat. Alphabet hat seine Investitionsplanung für das laufende Jahr auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben, nach zuvor 180 bis 190 Milliarden.
Im zweiten Quartal 2026 sind die Kapitalausgaben im Jahresvergleich um 100 Prozent auf 44,92 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist keine Randnotiz, sondern der Kern eines strukturellen Umbaus: Alphabet baut nicht mehr in erster Linie eine Suchmaschine, sondern eine industrielle Rechenzentrums-Infrastruktur für das KI-Zeitalter.
Die Rechnung hinter dem Boom
Um diesen Umbau zu finanzieren, hat Alphabet Anfang August eine Anleihe über 22,93 Milliarden Dollar mit Laufzeiten bis 2066 platziert. Das Geld fließt direkt in Rechenzentren und KI-Infrastruktur.
Parallel dazu wächst das Geschäft mit beeindruckendem Tempo: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 24,2 Prozent auf 119,80 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft legte sogar um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar zu, bei einem Auftragsbestand von 514 Milliarden Dollar. Das ist die Seite der Geschichte, die Buffett offenbar überzeugt hat: ein Geschäft, das trotz enormer Vorleistungen strukturell wächst.
Die Kehrseite lieferte Zacks Investment Research, das die Aktie am 13. August von „Strong Buy“ auf „Hold“ herabstufte – just wegen jener Verdopplung der Kapitalausgaben, die Anleger nun zwischen Wachstumsstory und Kostenexplosion hin- und hergerissen zurücklässt. Wer finanziert am Ende diesen gigantischen Bauboom der KI-Ära, wenn nicht die Aktionäre über verwässerte Margen oder steigende Schuldenlast?
Regulatorischer Gegenwind bleibt
Während Alphabet Milliarden in die Zukunft investiert, droht der Vergangenheit noch immer Ungemach. Das US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten legten am 13. August finale Vorschläge im Ad-Tech-Kartellverfahren vor und fordern die strukturelle Abspaltung von Googles Werbebörse AdX sowie eine Öffnung der Auktionslogik des Publisher-Ad-Servers DFP.
Zusätzlich reichte die Werbeplattform Teads Holding Anfang August eine eigene Kartellklage gegen Google und Alphabet in New York ein. Diese Fronten sind ein Erinnerungsposten daran, dass Alphabets altes Geschäftsmodell – die Werbevermarktung – rechtlich unter Dauerbeschuss steht, während das neue – KI-Infrastruktur – kapitalhungrig wächst.
Auch bei den Beteiligungen zeigt sich dieser Doppelcharakter. Alphabet bezifferte seine Investition in SpaceX nach dessen Nasdaq-Notierung im Juni mittlerweile auf 94,18 Milliarden Dollar – die größte institutionelle Beteiligung an dem Raumfahrtunternehmen.
Zugleich verschenkte Mitgründer Sergey Brin Anfang August umgerechnet über 1,3 Millionen Aktien der Klassen A und C, nachdem er zuvor Anteile der Klasse B umgewandelt hatte. Auf der Konsumentenseite treibt Alphabet die KI-Monetarisierung mit einer neuen Partnerschaft mit ASUS voran, die Google-Gemini-Dienste in kommende Laptop-Modelle bündeln soll.
Die Aktie notiert derzeit rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro – ein Abstand, der zeigt, wie sehr der Markt zwischen Wachstumseuphorie und Investitionssorge schwankt. Am 27. Oktober legt Alphabet die Zahlen für das dritte Quartal vor. Dann wird sich zeigen, ob der gigantische Kapitaleinsatz bereits erste Früchte trägt – oder ob Buffetts Wette vorerst ein Vorschuss auf eine noch unbewiesene Zukunft bleibt.
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