Alphabet baut seine KI-Organisation um und greift gleichzeitig zu einem neuen Finanzierungsinstrument. Beide Schritte fallen in eine Woche, in der die Google-Mutter zugleich milliardenschwere Investitionen in ihre Recheninfrastruktur bestätigt hat.
Hassabis wechselt an die Spitze, Kavukcuoglu übernimmt Tagesgeschäft
DeepMind-Mitbegründer Demis Hassabis wechselt in die Rollen des Chairman und Chief Scientist. Das operative Geschäft übernimmt künftig Koray Kavukcuoglu. Ziel der Umstrukturierung ist es, die KI-Koordination im Konzern zu straffen. Der Schritt fällt in eine Phase, in der Alphabet seine KI-Ambitionen auf mehreren Ebenen gleichzeitig vorantreibt – von der Chip-Entwicklung bis zur Werbetechnologie.
Parallel dazu meldete Pomerantz LLP eine Untersuchung wegen möglichen Wertpapierbetrugs, nachdem Berichte über erhebliche Leistungsprobleme und Verzögerungen beim Modell „Gemini 3.5 Pro“ aufgetaucht waren. Ob daraus ein Verfahren wird, ist offen – die Kanzlei befindet sich in der Prüfungsphase.
Erste börsennotierte Vorzugsaktien zur AI-Finanzierung
Am Dienstag brachte Alphabet erstmals überhaupt börsennotierte Einkommenswertpapiere heraus: die Series A und C Mandatory Convertible Preferred Stocks mit einer jährlichen Dividende von 6,25 Prozent. Das Kapital soll den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur finanzieren. Der Schritt passt zu einer bereits am Freitag vermeldeten Anhebung der Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Dollar, nach zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar.
Die hohen Ausgaben hinterlassen bereits Spuren in der Bilanz: Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Alphabet erstmals einen negativen freien Cashflow von 5,86 Milliarden Dollar, bedingt durch Investitionsausgaben von 44,92 Milliarden Dollar. Die neuen Vorzugsaktien liefern dem Konzern damit einen zusätzlichen Kapitalzugang, ohne auf klassische Fremdfinanzierung angewiesen zu sein.
Rechtliche Altlast abgeschlossen, institutionelle Investoren bauen auf
Am Dienstag erhielt Alphabet zudem grünes Licht in einem Streitpunkt aus der Android-Vergangenheit: Ein Bundesgericht erteilte die endgültige Genehmigung für einen Vergleich über 700 Millionen Dollar in einer bundesstaatenübergreifenden Kartellklage rund um Googles Kontrolle über die App-Verteilung und die Bezahlsysteme im Play Store. Der Fall gilt damit als abgeschlossen.
Auf der Investorenseite zeigt sich derweil zunehmendes Vertrauen: Berkshire Hathaway erhöhte seine Alphabet-Position im zweiten Quartal 2026 um 45 Prozent auf einen Wert von über 30 Milliarden Dollar. Auch kleinere Vermögensverwalter wie Kelleher Financial Advisors bauten ihre Bestände deutlich aus.
Kurs unter dem Hoch, Analysten uneins
An der Börse notierte die Aktie am Freitag bei 295,60 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht von 1,6 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 350,75 Euro, erreicht im Mai, ist das Papier noch 16 Prozent entfernt.
Die Einschätzungen der Analysten gehen auseinander: Rosenblatt startete am 19. August die Coverage mit „Buy“ und einem Kursziel von 410 Dollar, mit Verweis auf die Stärke bei Google Cloud und der KI-Infrastruktur.
Zacks Research hatte die Aktie zuvor, am 13. August, von „Strong Buy“ auf „Hold“ zurückgestuft und dabei Bewertungsbedenken nach der Kursrally im Zuge der Quartalszahlen angeführt. Die nächsten Quartalszahlen werden für den 27. Oktober erwartet.
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