Der Technologiekonzern Alphabet treibt die Integration künstlicher Intelligenz in die physische Welt massiv voran. Mit der Vorstellung von Gemini Robotics 2 am Donnerstag präsentierte die Forschungseinrichtung Google DeepMind eine neue Generation von Modellen, die darauf ausgelegt sind, humanoide Roboter und komplexe Maschinensteuerungen zu revolutionieren. Zeitgleich verdeutlichen aktuelle Geschäftszahlen den enormen finanziellen Aufwand dieser Strategie: Das Unternehmen hat seine Prognose für die Investitionsausgaben im Jahr 2026 auf 205 Milliarden Dollar angehoben.
Gemini Robotics 2: KI erhält einen physischen Körper
Die neue Robotik-Suite umfasst drei spezialisierte Modelle, die darauf abzielen, die bisherige Lücke zwischen digitaler Intelligenz und physischer Geschicklichkeit zu schließen. Das Modell VLA übernimmt dabei die direkte Steuerung des gesamten Roboterkörpers – von den Beinen bis zu den Fingern – unter einer einheitlichen Richtlinie. Ergänzt wird dies durch ER 2, ein System für logisches Denken und die Planung mehrstufiger Aufgaben, das zudem die Koordination mehrerer Roboter im Team ermöglicht.
In Demonstrationen auf dem humanoiden Robotermodell Apollo 2 des Partners Apptronik konnte das System bereits Erfolge verbuchen. So lag die Erfolgsrate beim Herausschrauben einer Glühbirne bei 92 Prozent. Während komplexe Aufgaben wie das Bestücken von Müllbeuteln noch Schwierigkeiten bereiten, betont Google DeepMind die rasche Anpassungsfähigkeit: Das on-device-Modell ermöglicht es Robotern, neue Aufgaben lokal und ohne Cloud-Anbindung innerhalb weniger Stunden zu erlernen, wofür weniger als 200 Beispiele benötigt werden. Neben Apptronik zählen auch Agile Robots und Boston Dynamics zu den frühen Partnern für diese Technologie.
Finanzieller Wendepunkt: Erster negativer Cashflow seit 2004
Die ambitionierte Hardware- und KI-Offensive hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Investitionsausgaben (Capex) auf 45 Milliarden Dollar an. Dem stand ein operativer Cashflow von 39 Milliarden Dollar gegenüber, was zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahr 2004 zu einem negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar führte. Trotz eines Umsatzsprungs um 24,2 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal reagierten Investoren besorgt auf die schrumpfenden Margen.
Besonders das Cloud-Geschäft erwies sich zwar als Wachstumstreiber und legte um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar zu, doch der Wettbewerb um Rechenzentrums-Kapazitäten und KI-Chips zwingt Alphabet zu immer höheren Ausgaben. Die Anhebung der jährlichen Capex-Prognose auf nunmehr bis zu 205 Milliarden Dollar verdeutlicht den Druck im Wettlauf mit Konkurrenten wie Microsoft und Amazon. Um diesen Kapitalbedarf zu decken, plant der Konzern Medienberichten zufolge die Aufnahme von 50 Milliarden Dollar neuen Schulden sowie eine Aktienemission im Volumen von 80 Milliarden Dollar.
Wachsende Verbindlichkeiten durch Infrastrukturausbau
Ein wesentlicher Teil der Expansionsstrategie findet abseits der direkten Bilanz statt. Berichten von Barchart zufolge hat Alphabet Off-Balance-Sheet-Verpflichtungen in Höhe von insgesamt mehr als 150 Milliarden Dollar angehäuft. Allein die Garantien für Leasingzahlungen von Rechenzentren stiegen innerhalb von neun Monaten von 6,5 Milliarden auf 43,8 Milliarden Dollar an. Diese Verpflichtungen dienen dazu, den Zugang zu spezialisierten Grafikprozessoren (GPUs) und die nötige Infrastruktur für das KI-Modell Gemini zu sichern.
Jefferies-Stratege Chris Wood warnte in diesem Zusammenhang davor, dass die massiven Investitionen der großen Technologiekonzerne Milliarden an Kapital verbrennen könnten, wenn die Erträge nicht im gleichen Maße steigen. Die Alphabet-Aktie verzeichnete nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen und der erhöhten Ausgabenpläne deutliche Verluste und schloss den Handel am Freitag bei 309,00 €. Damit notiert das Papier rund 11,90 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 350,75 €. Seit Jahresbeginn ergibt sich jedoch immer noch ein Kursplus von 16,01 %.
Analysten von Goldman Sachs verwiesen hingegen auf das starke Wachstum im Kerngeschäft und die steigende Bedeutung von Google Cloud für IT-Budgets. Während die Märkte die hohen Ausgaben derzeit abstrafen, sehen Häuser wie Morgan Stanley in der aktuellen Kurskorrektur eine Einstiegschance. Innerhalb des Unternehmens gab es unterdessen kleinere Umschichtungen: Die Bilanzbuchhalterin (CAO) Marsida Saraci veräußerte am Dienstag 449 Aktien zu einem Kurs von 333,20 Dollar, hält jedoch weiterhin eine Position im Wert von über 9 Millionen Dollar.
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