Google will im KI-Wettlauf wieder Boden gutmachen. Der Konzern hat sein neues Flaggschiff-Modell Gemini 4 Argon für Entwickler und Unternehmen weltweit freigegeben, nach Monaten voller Verzögerungen und einem Umbau bei DeepMind. Die Alphabet-Aktie legte zuletzt moderat zu und notierte bei gut 354 Dollar.
Argon soll bei komplexen Aufgaben punkten
Das Modell soll vor allem bei vielschichtigen Aufgaben in Programmierung, Finanzwesen, Recht, Cybersicherheit und Wissenschaft glänzen. Google spricht von „Deep Work“. Die API-Preise starten bei 2 Dollar je Million Eingabe-Token und 10 Dollar je Million Ausgabe-Token. Nach dem 30. November verdoppeln sich die Sätze.
Als Praxisbeleg nennt der Konzern Teams, die Argon im Coding-Tool Antigravity nutzen: Sie reichten mehr als 35 Prozent mehr agentischen Code ein und verringerten Rollbacks um knapp ein Drittel. Zu den frühen Testkunden zählen Deloitte, LexisNexis, Ambience Healthcare und Isomorphic Labs. Abonnenten von Google AI Pro und Ultra erhalten Zugriff über die Gemini-App und den KI-Modus der Suche. Antigravity bleibt Ultra-Kunden vorbehalten.
Parallel öffnet Google sein Fairwind-Programm für Hunderte weitere Partner. Geprüfte Cybersicherheits-Teams bekommen darin eine Argon-Version ohne die üblichen Schutzschranken. Außerdem erhalten 10.000 Wissenschaftler sechs Monate kostenlosen Zugang zur höchsten Nutzungsstufe von Antigravity.
Rückstand aufholen
Der Start folgt auf eine holprige Phase. Im September erklärte Google, Gemini 3.5 Pro nicht mehr zu veröffentlichen, obwohl CEO Sundar Pichai das Modell ursprünglich für Juni zugesagt hatte. Zudem trat DeepMind-Mitgründer Demis Hassabis als Chef beiseite, mehrere Gemini-Verantwortliche verließen das Unternehmen. Argon muss nun gegen OpenAI und Anthropic bestehen.
Auch im Konsumentengeschäft bleibt Google aktiv. Der Konzern hat den Fitnesstracker Fitbit Edge vorgestellt, sein drittes Wearable in diesem Jahr, und erweitert Google Wallet um neue Funktionen.
Schuldenfinanzierte KI-Offensive im Blick
Die Kehrseite des Ausbaus beleuchtet der Internationale Währungsfonds. Hyperscaler wie Alphabet und Meta finanzieren ihre Rechenzentren zunehmend über Anleihen. Ihr Anteil an den weltweiten Emissionen von Investment-Grade-Anleihen stieg seit 2024 von unter 1 auf 10 Prozent. Damit konkurrieren sie mit Staaten um Anlegerkapital.
Der IWF warnt, dass steigende Staatsanleiherenditen und zirkuläre KI-Finanzierungen das Finanzsystem belasten könnten. Fallen die Erträge aus KI schwächer aus als erwartet, drohe laut IWF-Vertreter Jason Wu ein „Dreifachschlag“.
Das Marktumfeld bleibt für Alphabet trotzdem freundlich: Auf Jahressicht legte die Aktie rund 45 Prozent zu, der Börsenwert liegt bei etwa 4,3 Billionen Dollar. Citizens bleibt bei „Market Outperform“ und lobt die flexible KI-Strategie, die auch Drittmodelle wie Claude einbindet.
Yorkville Ives startete die Bewertung mit „Outperform“ und verweist auf die Entwicklung zur Full-Stack-KI-Plattform aus Gemini und eigenen TPU-Chips. Ab dem 1. Dezember zeigt sich, wie viel Nachfrage Argon auch zum verdoppelten Preis findet.
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