Kaum hat Alphabet ein Rekordquartal im Cloud-Geschäft vorgelegt, holt die EU-Kommission den Konzern auf den Boden zurück. Wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Märkte verhängte Brüssel am Donnerstag eine Geldbuße von 890 Millionen Euro gegen Google. Zeitgleich rutscht die Aktie weiter ab, weil Anleger die explodierenden KI-Investitionen kritisch beäugen. Zwei Baustellen an einem Tag, und beide drücken auf die Stimmung.
EU wirft Google Marktmissbrauch vor
Die Kommission begründet die Strafe mit zwei getrennten Verstößen. Zum einen bevorzuge Google eigene Dienste wie Shopping-, Hotel-, Transport- und Sportergebnisse in der Suche gegenüber Angeboten von Drittanbietern. Zum anderen habe der Konzern App-Entwickler daran gehindert, Kunden frei über alternative Kaufkanäle außerhalb von Google Play zu informieren.
Brüssel gibt Google 60 Tage Zeit, die Verstöße abzustellen. Andernfalls drohen Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. EU-Kommissionsvize Teresa Ribera sprach von „entschiedenen, aber ausgewogenen Durchsetzungsmaßnahmen“, ihre Kollegin Henna Virkkunen kündigte weitere konsequente Anwendung des Digital Markets Act an.
Cloud boomt, der Cashflow rutscht ins Minus
Die Kartellstrafe trifft einen Konzern, der operativ eigentlich überzeugt hat. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 23 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar und lag damit über den Analystenschätzungen. Das Cloud-Geschäft wuchs um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, die Suchsparte kam auf 63,3 Milliarden Dollar bei einem etwas schwächeren Plus von 17 Prozent.
Was die Rally trotzdem ausbremst: Alphabet hat seine Kapitalausgaben-Prognose für 2026 auf eine Spanne von 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben — rund 200 Milliarden Dollar in der Mitte, 15 Milliarden mehr als zuvor angepeilt. Wegen dieser massiven Investitionen in Rechenzentren wies der Konzern erstmals seit dem Börsengang einen negativen freien Cashflow aus. Die Aktie gab darauf vorbörslich rund vier Prozent nach.
Analysten uneins: Kursziele zwischen 379 und 515 Dollar
Das Analystenbild bleibt gespalten. JPMorgan senkte sein Kursziel von 460 auf 420 Dollar, bleibt aber bei „Overweight“ und rät, Kursrücksetzer für Käufe zu nutzen. UBS kappte das Ziel auf 379 Dollar und verweist auf steigende Kapitalintensität sowie höhere Personalkosten. Oppenheimer und Piper Sandler senkten ihre Ziele auf 400 beziehungsweise 395 Dollar, beide unter Verweis auf Margendruck durch die hohen Investitionen.
Auf der anderen Seite hob Barclays das Ziel auf 425 Dollar an und verwies auf Alphabets starke Position in der KI-Entwicklung. Evercore ISI bestätigte 420 Dollar, Wolfe Research 460 Dollar, Citizens sogar 515 Dollar mit Verweis auf die starken KI-getriebenen Ergebnisse. Die Spanne zeigt: Während die einen den kurzfristigen Margendruck durch die Milliardeninvestitionen fürchten, setzen andere auf die langfristige Monetarisierung von Cloud und KI-Produkten.
Für Alphabet bedeutet das eine Woche mit zwei parallelen Fronten. Die Frist zur Behebung der DMA-Verstöße läuft, während der Markt gleichzeitig abwartet, ob die milliardenschweren KI-Investitionen sich in den kommenden Quartalen in Umsatz niederschlagen — ein Test, der sich fortsetzt, sobald weitere Technologiekonzerne in der kommenden Woche ihre Zahlen vorlegen.
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