Alphabet Aktie: Dean und Ghemawat gründen Discovery Loop

Personelle Umbrüche bei Google, Rekordinvestitionen und eine französische Beschwerde setzen die Alphabet-Aktie unter Druck. Großinvestoren bleiben jedoch engagiert.

Auf einen Blick:
  • Gründer verlassen Google für Startup
  • DeepMind-Chef wechselt in Aufsichtsrolle
  • Cloud-Umsatz steigt um 82 Prozent
  • Berkshire erhöht Alphabet-Anteil deutlich

Bei Alphabet überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Vergangene Woche verließen mit Jeff Dean und Sanjay Ghemawat zwei prägende Google-Ingenieure nach 27 Jahren das Unternehmen, um gemeinsam mit Oriol Vinyals und Quoc Le das neue Unternehmen Discovery Loop zu gründen.

Am selben Tag trat Demis Hassabis als operativer Leiter von Google DeepMind zurück und übernahm die Rolle als Chairman, während Koray Kavukcuoglu als Senior Vice President die Führung des Bereichs antrat. Die Aktie büßte daraufhin rund 5 Prozent ein.

Führungsumbau trifft auf angespannte Kapitalmarktlage

Die Abgänge wiegen schwer: Dean und Ghemawat gelten als Miterfinder zentraler Technologien wie MapReduce, TensorFlow, TPU und Seq2Seq. Discovery Loop startet als unabhängiges Unternehmen mit Gemeinwohlorientierung, an dem sich Google als Investor und Cloud-Anbieter beteiligt – der Abschied verlief offenbar einvernehmlich.

Hassabis bleibt als Chief Scientist von Alphabet und Leiter von Isomorphic Labs eingebunden, Kavukcuoglu berichtet künftig direkt an Konzernchef Sundar Pichai.

Der Führungswechsel trifft eine Aktie, die bereits unter Druck steht. Am Freitag schloss das Papier bei 299,00 Euro, ein Minus von 0,5 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 2,6 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich das Minus auf 7,7 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 350,75 Euro, erreicht im Mai, trennen die Aktie inzwischen 15 Prozent.

Kapitalspritzen und Rekordinvestitionen

Hintergrund der Nervosität ist die aggressive Investitionsstrategie des Konzerns. Alphabet hatte im Juli seine Prognose für die Kapitalausgaben dieses Jahres auf 195 bis 205 Milliarden Dollar angehoben und im selben Zug die Aktienrückkäufe ausgesetzt.

Die langfristigen Schulden verdoppelten sich nahezu auf rund 98 Milliarden Dollar. Anfang August folgte eine Anleiheemission über 25 Milliarden Dollar in zehn Tranchen, flankiert von einem laufenden Aktienprogramm über 40 Milliarden Dollar am Markt.

Operativ liefert das Geschäft weiterhin kräftige Zahlen: Im zweiten Quartal 2026 stieg der Konzernumsatz um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar, Google Cloud legte sogar um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar zu.

Der Auftragsbestand der Cloud-Sparte kletterte auf 514 Milliarden Dollar. Das Analysehaus Phillip Securities hob nach dem nachbörslichen Kursrückgang Ende Juli seine Einstufung auf „Buy“ an, senkte zugleich aber das Kursziel von 450 auf 425 Dollar.

Regulatorischer Gegenwind aus Frankreich

Zusätzliche Unsicherheit brachte eine Beschwerde französischer Verlage. Ein Verband von knapp 300 Zeitungen wandte sich an die Wettbewerbsbehörde, weil Google seine KI-generierten Suchzusammenfassungen im Juli in Frankreich eingeführt habe, ohne zuvor eine Vergütung für die genutzten Presseinhalte auszuhandeln.

Der Verband beziffert die damit verbundenen Traffic-Rückgänge auf 33 bis 38 Prozent. Die Meldung ließ die Aktie an einem Dienstag um rund 3,5 Prozent einbrechen.

Trotz der Belastungen bleibt das institutionelle Interesse hoch: Berkshire Hathaway erhöhte seine Alphabet-Position bis Ende Juni um 83 Prozent auf rund 106 Millionen Aktien im Wert von 37,9 Milliarden Dollar – damit avancierte das Investment zum drittgrößten US-Listing im Portfolio des Konzerns, hinter Apple und American Express.

Für Anleger bleibt Alphabet damit ein Wert im Spannungsfeld zwischen Zukunftsinvestitionen, regulatorischem Druck und ungebrochenem Vertrauen großer Investoren.

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