Google steht vor einem Testfall, der über eine reine Produktvorstellung hinausgeht. Schon an diesem Mittwoch könnte der Konzern mit Gemini 3.8 Flash ein neues KI-Modell vorstellen, das intern besser abgeschnitten haben soll als Anthropics Spitzenmodell Opus. Für Alphabet geht es dabei um nichts Geringeres als die Frage, ob der Konzern im lukrativsten KI-Geschäftsfeld den Anschluss zurückgewinnt.
Skimaki soll Rückstand beim Programmieren aufholen
Bei internen Tests auf der Entwicklerplattform Jetski haben Google-Ingenieure das neue Modell, intern „Skimaki“ genannt, dem Anthropic-Flaggschiff Claude Opus vorgezogen. Bestätigt ist das bislang nicht — öffentliche Benchmarks fehlen noch.
Relevant ist der Vorstoß trotzdem: Agentisches Programmieren, also KI, die selbstständig Code schreibt und repariert, hat sich zum wichtigsten kommerziellen Anwendungsfall generativer KI entwickelt. Wer hier zurückfällt, riskiert Cloud-Verträge.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Google hatte die Vorstellung seines Flaggschiffs Gemini 3.5 Pro bereits um Monate verschoben, weil dessen Programmierfähigkeiten hinter den eigenen Erwartungen zurückblieben.
Parallel vollzog sich an der Spitze von DeepMind ein Führungswechsel: Mitgründer Demis Hassabis zog sich aus dem operativen Tagesgeschäft zurück, Nachfolger Koray Kavukcuoglu drängt nach mehreren prominenten Abgängen aus der Forschungsabteilung auf höheres Tempo.
Mit Gemini 3.8 Flash wäre es bereits der dritte Flash-Release binnen weniger Wochen — kleinere Modelle lassen sich schneller trainieren und mit weniger Rechenkapazität parallel weiterentwickeln als das große Pro-Modell, das sich derzeit im Post-Training befindet.
Der Cashflow bleibt der wunde Punkt
Während sich die Modell-Frage kurzfristig klären dürfte, liegt das eigentliche Risiko tiefer in der Bilanz. Die Investitionen kletterten im vergangenen Quartal auf 44,9 Milliarden Dollar, die Jahresplanung liegt inzwischen bei 195 bis 205 Milliarden Dollar. Dem operativen Cashflow von 39,1 Milliarden Dollar stand damit erstmals seit dem Börsengang ein negativer freier Cashflow gegenüber — minus 5,9 Milliarden Dollar.
Am Markt entscheidet deshalb nicht allein, ob Google gute Modelle bauen kann, sondern ob sich diese Milliardensummen irgendwann verzinsen. Die Aktie reagierte auf die jüngsten Berichte im vorbörslichen Handel mit moderaten Aufschlägen — ein Hinweis darauf, dass Anleger die Nachricht positiv, aber nicht euphorisch aufnehmen.
Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 4. September, wenn die Aktie mit 22 Cent Dividende je Aktie ex Dividende gehandelt wird. Den eigentlichen Belastungstest liefert aber erst Ende Oktober die Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal: Dann zeigt sich, ob die Cloud-Marge von zuletzt 35,6 Prozent trotz der hohen Investitionen stabil bleibt.
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