Nur wenige Tage nach ihrem heftigsten Rückschlag seit Jahren ist die Alphabet-Aktie zurück im Rampenlicht — und diesmal aus zwei völlig unterschiedlichen Richtungen. Während sich der Kurs technisch stabilisiert, sorgt ein Interview von Warren Buffett für Gesprächsstoff: Der Starinvestor hat sich den milliardenschweren Alphabet-Einstieg seines Konzerns persönlich zugeschrieben. Beides zusammen zeichnet das Bild einer Aktie, die zwischen kurzfristiger Nervosität und langfristigem Vertrauen pendelt.
Rückkehr über die 200-Tage-Linie
Erst vergangenen Donnerstag war der Titel erstmals seit über drei Jahren unter seine 200-Tage-Linie gerutscht, nachdem Anleger die Quartalszahlen und vor allem die Investitionspläne verdaut hatten. Alphabet steckte im zweiten Quartal rund 44,9 Milliarden Dollar in Sachanlagen und hob die Jahresprognose von 180 bis 190 Milliarden auf 195 bis 205 Milliarden Dollar an. Für 2027 stellte das Management einen weiteren, deutlichen Anstieg in Aussicht.
Zum Ausgleich lieferte die Cloud-Sparte überzeugende Zahlen: Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand wuchs auf 514 Milliarden Dollar. Die Aktie hat die Verlustzone inzwischen verlassen und notierte zuletzt bei 333,71 Dollar, ein Plus von gut zwei Prozent.
Buffett übernimmt die Verantwortung
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt Warren Buffett selbst. Im Interview widersprach er der These, sein Nachfolger Greg Abel stehe hinter dem Alphabet-Einstieg von Berkshire Hathaway — er habe die Position persönlich initiiert. Berkshire baute den Bestand ab dem dritten Quartal 2025 auf und stockte ihn im ersten Quartal 2026 noch einmal deutlich auf. Mit der Beteiligung an einer Privatplatzierung im Juni 2026 ist Alphabet inzwischen zur fünftgrößten Position im Berkshire-Portfolio aufgestiegen, mit einem Wert von rund 31 Milliarden Dollar.
Buffett räumte zugleich ein, jahrelang gezögert zu haben — bereits 2018 hatte er öffentlich bedauert, die Stärke des Google-Werbegeschäfts nicht früher honoriert zu haben. Trotz der enormen Kapitalanforderungen im KI-Wettlauf sieht er Alphabet heute mit größerer Wahrscheinlichkeit als Gewinner an als die meisten von der Wall Street bevorzugten Aktien.
Auch abseits der klassischen Aktienanlage wächst das Interesse an Alphabet: Der ETF-Anbieter Direxion brachte diese Woche einen neuen Fonds auf den Markt, der über Optionsprämien Erträge aus der Alphabet-Aktie generieren soll — ein Zeichen dafür, wie stark der Titel inzwischen auch im Derivatemarkt gehandelt wird.
Ob sich die Erholung verstetigt, dürfte sich an den anstehenden Quartalszahlen von Amazon, Microsoft und Meta Platforms entscheiden. Fallen deren Investitionspläne ähnlich üppig aus wie bei Alphabet, könnte die Debatte über die Kosten des KI-Booms erneut an Fahrt gewinnen.
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