Alphabet hat mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal 2026 die Wall Street überrascht. Der Mutterkonzern von Google meldete einen Umsatz von 119,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Gewinn pro Aktie lag bei 9,11 US-Dollar. Getrieben wurde das Ergebnis maßgeblich von Bewertungsgewinnen aus Kapitalbeteiligungen: Vom Nettoeinkommen in Höhe von 112,19 Milliarden US-Dollar entfielen rund 99 Milliarden US-Dollar auf unrealisierte Gewinne aus einem SpaceX-Anteil. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Benzinga zog die Aktie im Umfeld der Zahlen zeitweise um 13,2 Prozent an.
Im deutschen Handel schloss die Alphabet-Aktie am Dienstag bei 327,90 Euro. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von 11,78 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal dafür, wie stark die Quartalszahlen die Stimmung gedreht haben. Zum 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro fehlen dem Titel noch 6,51 Prozent.
Cloud-Sparte als zentraler Wachstumstreiber
Der eigentliche Glanzpunkt des Quartals war Google Cloud. Die Sparte steigerte ihren Umsatz um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn verdreifachte sich nahezu. Damit erreichte Google Cloud nach Berechnungen des Finanzportals Fool.com einen Rekord-Marktanteil von 15 Prozent im Cloud-Markt, während der Platzhirsch AWS mit 28 Prozent leicht an Boden verlor und Microsoft bei 20 Prozent verharrte. In absoluten Dollar-Zuwächsen zog Google Cloud mit 11,1 Milliarden US-Dollar nahezu mit AWS gleich, das um 11,4 Milliarden US-Dollar wuchs.
Auch das Kerngeschäft entwickelte sich robust: Der Suchumsatz legte um 20 Prozent zu, KI-generierte Suchübersichten steigerten laut Unternehmensangaben die Zahl der Folgeabfragen um 10 Prozent. Der KI-Chatbot Gemini kam im Berichtszeitraum auf 750 Millionen monatliche Nutzer und erzielte 2025 rund 1,2 Milliarden US-Dollar an Abo-Umsatz. Die operative Marge im Cloud-Geschäft lag bei 33 Prozent, der Auftragsbestand hat sich nach Unternehmensangaben nahezu verdoppelt.
Rekord-Investitionen drücken auf den Cashflow
Der Erfolg hat seinen Preis. Alphabet hob seine Investitionsprognose für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden auf nun 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an – allein im zweiten Quartal flossen 44,9 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Folge: Der freie Cashflow drehte erstmals ins Negative. Nach Einschätzung des Fondsmanagers Brad Conger, der die aktuelle Phase des KI-Handels als Phase der „Freundlichkeit von Fremden“ beschreibt, legte die Alphabet-Aktie seit dem negativen Cashflow-Ausweis Ende Juli dennoch um rund 9 Prozent zu – ein Vertrauensvotum der Anleger in die Wachstumsstory trotz der Belastung.
Ein Teil des Investitionsrisikos verschiebt Alphabet mittlerweile aus der eigenen Bilanz: Über eine Zweckgesellschaft finanziert der Konzern Chip-Käufe für den KI-Anbieter Anthropic in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar für rund eine Million TPU-Einheiten, abgesichert unter anderem durch Broadcom. Insgesamt hängen laut Berichten Verpflichtungen von bis zu 200 Milliarden US-Dollar an der Geschäftsbeziehung mit Anthropic, während Alphabet selbst nur einen Bruchteil davon bilanziell ausweist.
Neue Rechtsrisiken belasten das Werbegeschäft
Parallel zu den starken Zahlen wächst die juristische Angriffsfläche. Die Werbeplattform Teads reichte in einer Klage vor dem Bundesgericht im Südlichen Bezirk von New York Vorwürfe ein, wonach Google durch die Kopplung von Google Ads an den eigenen Adserver AdX zwischen 2017 und 2023 rund 6,88 Billionen Werbeeinblendungen zu Lasten von Wettbewerbern kontrolliert habe. Teads ist damit bereits der fünfte Anbieter von Verkaufsplattformen für Werbeflächen, der Google nach OpenX, PubMatic, Magnite und Index Exchange verklagt. Google bezeichnet die Vorwürfe als haltlos. Zudem wurde in einem weiteren Verfahren eine Sammelklage gegen den Konzern zertifiziert.
Für Anleger bleibt das Bild zweigeteilt: Die operative Stärke von Suche und Cloud liefert weiterhin die Wachstumsargumente, während steigende Investitionskosten und die wachsende Zahl an Rechtsstreitigkeiten die Risikoseite der Alphabet-Story prägen.
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