Alphabet Aktie: 294 Milliarden Dollar Tagesverlust nach Q2

Alphabet übertrifft Erwartungen im zweiten Quartal, doch massive KI-Investitionen und EU-Strafe belasten den Aktienkurs schwer.

Auf einen Blick:
  • Umsatz steigt auf fast 120 Milliarden Dollar
  • Cloud-Sparte verdreifacht operativen Gewinn
  • Investitionsausgaben auf Rekordniveau angehoben
  • Erstmals negativer freier Cashflow seit Börsengang

Alphabet hat für das zweite Quartal glänzende Zahlen vorgelegt – und wurde dafür an der Börse bestraft. Nach der Vorlage am Donnerstag brach die Aktie ein, am Freitag ging es an der Nasdaq nur noch moderat aufwärts. Auslöser war nicht ein schwaches Geschäft, sondern die Aussicht auf noch deutlich höhere Investitionen in künstliche Intelligenz.

Umsatzsprung, aber der Blick geht auf die Ausgaben

Der Konzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 24,2 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 9,11 Dollar übertraf die Erwartung von 6,22 Dollar deutlich – wenn auch begünstigt durch Sondereffekte aus einer Beteiligung an SpaceX. Google Cloud legte um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar zu, das operative Ergebnis der Sparte verdreifachte sich nahezu von 2,8 auf 8,8 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft erreichte rund 514 Milliarden Dollar. Trotzdem verlor die Aktie am Berichtstag rund sieben Prozent, laut Berechnungen ging damit an einem einzigen Handelstag ein Börsenwert von 294 Milliarden Dollar verloren – der größte Tagesverlust in der Unternehmensgeschichte.

Capex-Explosion und erstmals negativer Cashflow

Der eigentliche Schock steckte in der Investitionsprognose: Alphabet hob die Kapitalausgaben für 2026 von zuvor 180 bis 190 Milliarden Dollar auf nun 195 bis 205 Milliarden Dollar an. Das Management stellte für 2027 einen nochmals deutlichen Anstieg in Aussicht. Allein im zweiten Quartal beliefen sich die Investitionen auf 44,9 Milliarden Dollar und übertrafen damit den operativen Cashflow von 39,1 Milliarden Dollar. Die Folge: Erstmals seit dem Börsengang rutschte der freie Cashflow mit minus 5,9 Milliarden Dollar ins Negative. Finanziert wurde die Lücke über frisches Eigenkapital von 49,6 Milliarden Dollar sowie Anleihen im Volumen von 20,3 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur Moody’s warnte inzwischen, das „beispiellose“ KI-Investitionstempo gefährde die Kreditqualität mehrerer Hyperscaler, darunter neben Alphabet auch Amazon, Meta und Oracle.

EU-Strafe trifft auf Trump-Drohung

Zusätzlichen Druck brachte ein politischer Konflikt: Die EU verhängte gegen Google die erste Strafe unter dem Digital Markets Act, insgesamt 890 Millionen Euro – 460 Millionen Euro wegen Selbstbevorzugung in der Suche, 430 Millionen Euro wegen Anti-Steering-Praktiken im Play Store. US-Präsident Trump reagierte scharf, kündigte eine Untersuchung der EU-Handelspraktiken nach Section 301 an und drohte mit Zöllen. Er erklärte, die Vereinigten Staaten seien nicht „Europas Sparschwein“. Google selbst äußerte sich zurückhaltend und begrüßte lediglich das Engagement der US-Regierung in der Angelegenheit.

Analysten uneins, Chartbild angeschlagen

Die Reaktionen der Wall Street fallen gemischt aus. JPMorgan senkte das Kursziel von 460 auf 420 Dollar, bestätigte aber die Einstufung „Overweight“. Ein Analyst von The Motley Fool empfahl dagegen den Kauf auf dem gedrückten Niveau und verwies auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 22 für 2026. Auch Warren Buffett äußerte sich zu der Position: Berkshire Hathaway hält Alphabet-Aktien im Wert von über 31 Milliarden Dollar. Buffett bezeichnete Alphabet als wahrscheinlicheren Gewinner als 95 Prozent der Wall-Street-Empfehlungen, räumte aber ein, er möge das Unternehmen weniger als etwa Coca-Cola oder American Express, unter anderem wegen der hohen Kapitalintensität des Geschäfts.

Charttechnisch hinterließ der Ausverkauf Spuren: Erstmals seit über einem Jahr fiel die Aktie unter ihre 200-Tage-Linie. Im deutschen Handel schloss das Papier am Freitag bei 281,30 Euro, ein Plus von 0,77 Prozent gegenüber dem Vortag – auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 7,19 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 32,5 deutet auf eine überverkaufte Marktlage hin, was die Debatte zwischen Anlegern, die die Wachstumsstory im Cloud-Geschäft betonen, und jenen, die die Investitionslast fürchten, weiter befeuern dürfte.

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