Alnylam hat erste Daten seines Huntington-Kandidaten Brezosiran vorgelegt. Sie zeigen eine tiefe und anhaltende Senkung des krankheitsverursachenden Proteins. Für eine Erkrankung ohne zugelassene krankheitsmodifizierende Therapie ist das ein bemerkenswertes Signal.
Was die Phase-1b-Daten zeigen
Bei den Teilnehmern sank das mutierte Huntingtin-Protein im Nervenwasser in der bislang höchsten ausgewerteten Dosisgruppe im Mittel um 60 bis 64 Prozent. Das gilt für den Zeitpunkt nach drei Monaten. Im besten Einzelfall lag die Reduktion bei 83 Prozent. Die Wirkung zeigte sich dosisabhängig und wurde mit zwei unabhängigen Messverfahren bestätigt.
Die Daten stammen aus den ersten fünf Kohorten mit insgesamt 48 Teilnehmern. Einige wurden bis zu zwölf Monate beobachtet. Dabei fanden sich keine dosisabhängigen Anstiege bei Entzündungsmarkern im Nervenwasser, beim Nervenschädigungsmarker NfL oder beim Volumen der Hirnventrikel. Eine sechste Dosisgruppe rekrutiert noch.
Die Haltbarkeit des Effekts nährt die Hoffnung auf eine Gabe nur zweimal im Jahr. Das wäre für Patienten mit Spritzen ins Nervenwasser ein erheblicher Vorteil. Bestätigt ist dieses Schema allerdings nicht, es bleibt Gegenstand der weiteren Entwicklung.
Ein anderer Ansatzpunkt
Brezosiran zielt auf Exon 1 der Huntingtin-Boten-RNA. Damit soll es nicht nur das vollständige mutierte Protein senken, sondern auch das verkürzte Fragment HTT1a. Neuere Evidenz deutet darauf hin, dass dieses Fragment eine Rolle beim Fortschreiten der Krankheit spielt. Alnylam sieht darin einen Unterschied zu anderen Ansätzen. Entwickelt wird das Programm gemeinsam mit Regeneron.
Entscheidend ist, was die Senkung klinisch bewirkt. Die Phase 1b misst Sicherheit und Zielwirkung, nicht den Krankheitsverlauf. Genau dafür plant Alnylam eine placebokontrollierte Zulassungsstudie, die 2027 starten soll. Voraussetzung ist die Abstimmung mit den Behörden.
Die nächsten Schritte
Teilnehmer der Studie können in eine Verlängerungsphase wechseln. Sie erhalten dort alle sechs Monate Brezosiran, bis zu 36 Monate lang. Das soll Langzeitsicherheit und anhaltende Wirkung klären.
Am 26. Oktober um 10:00 Uhr US-Ostküstenzeit stellt Alnylam das Programm beim zehnten „RNAi Roundtable“ vor. Dann dürfte sich zeigen, wie das Management Studiendesign und Zeitplan der Zulassungsstudie konkretisiert.
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