Fast sechsmal so viel Umsatz wie vor einem Jahr — und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei Almonty Industries klafft gerade etwas auseinander, das Anleger genau beobachten sollten. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeigen einen Wolfram-Produzenten im Höhenflug. Der Markt reagiert trotzdem zurückhaltend.
Umsatz explodiert dank Wolfram-Preisen
Diamond Equity Research veröffentlichte am 14. August eine Analyse zu den jüngsten Geschäftszahlen. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 498 Prozent auf 43,0 Millionen kanadische Dollar. Im Vorjahresquartal waren es nur 7,2 Millionen. Auch im Quartalsvergleich ging es deutlich nach oben: von 25,4 Millionen im ersten Quartal 2026 auf jetzt 43 Millionen.
Der Treiber dahinter ist der Wolfram-Preis. Der europäische APT-Referenzpreis kletterte von rund 453 US-Dollar pro MTU auf etwa 3.075 US-Dollar. Das ist mehr als das Sechsfache.
Diese Preisrally schlägt direkt auf das operative Ergebnis durch. Der Gewinn aus dem Bergbaugeschäft erreichte 26,1 Millionen kanadische Dollar — nach einem Verlust von 0,9 Millionen im Vorjahr. Bei Kosten von 16,9 Millionen ergibt das eine Bruttomarge von 60,7 Prozent im Minengeschäft.
Bemerkenswert: Diese Zahlen stammen noch fast komplett aus der Panasqueira-Mine. Die neue Flaggschiff-Mine Sangdong in Südkorea befand sich zum Quartalsende noch in der Inbetriebnahme-Phase. Ihr voller Beitrag zum Ergebnis steht also noch aus.
Nettogewinn springt — aber Vorsicht bei der Zahl
Der Nettogewinn lag bei 181,8 Millionen kanadische Dollar, nach einem Verlust von 58,2 Millionen im Vorjahr. Diese Zahl täuscht allerdings ein Stück weit. Rund 173,1 Millionen Dollar davon stammen aus nicht-zahlungswirksamen Gewinnen durch die Neubewertung von Derivaten und Warrants.
Die Verwaltungskosten wuchsen parallel deutlich. Sie stiegen von 4,1 auf 8,9 Millionen kanadische Dollar, vor allem wegen höherer Personal-, Beratungs- und Rechtskosten im Zuge der Expansion.
Aktie gibt nach trotz starker Fundamentaldaten
Trotz der operativen Fortschritte gab die Almonty-Aktie in dieser Woche nach. Am 13. August schloss das Papier bei 13,85 US-Dollar — ein Minus von 3,6 Prozent. Das kam nach einer stärkeren Rally zuvor im Monat: Nach dem Produktionsstart in Sangdong war die Aktie um 13,6 Prozent gesprungen, begleitet von optimistischen Gewinnprognosen der Analysten.
Auch andere Marktbeobachter registrierten das volatile Muster nach den Zahlen. Simply Wall St wies darauf hin, dass Almonty mit einer Historie wachsender Verluste ins Quartal ging — der Kurs an einem Handelstag dennoch um 8,3 Prozent zulegte. Der Markt zeigt sich demnach plötzlich bereit, für den Wolfram-Produzenten mehr zu zahlen, obwohl das Unternehmen weiterhin Verluste schreibt.
Die Erholung bleibt aber lückenhaft. Auf Wochensicht steht ein Plus, auf Sicht von drei Monaten allerdings immer noch ein Minus von etwa 22 Prozent.
Börsenkonsolidierung und starke Kassenlage
Almonty treibt parallel eine Straffung seiner Börsennotierungen voran. Der Großteil des täglichen Handelsvolumens findet inzwischen an der Nasdaq statt. Der Handel an TSX und ASX ist demgegenüber deutlich zurückgegangen. Die auf dem australischen Register gehaltenen CDIs machten zum 14. Juli 2026 nur noch rund 0,80 Prozent der ausgegebenen Aktien aus.
Auf der Bilanzseite hat sich die Lage spürbar verbessert. Der operative Cashflow lag im ersten Halbjahr 2026 bei 31,6 Millionen kanadische Dollar — nach einem Abfluss von 14,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Hinzu kommt eine Kapitalmarkt-Transaktion mit deutlicher Wirkung: Nach der Emission von Wandelanleihen im Volumen von 800 Millionen US-Dollar stieg der Kassenbestand zum 30. Juni 2026 auf rund 1,23 Milliarden kanadische Dollar.
Der eigentliche Test steht noch bevor
Diamond Equity Research versteht das zweite Quartal als Vorgeschmack auf das, was noch kommt, sobald Sangdong die volle Kapazität erreicht. Die Mine lief zum Bilanzstichtag noch nicht mit voller Leistung — ihr Beitrag zum Ergebnis fehlt in den aktuellen Zahlen komplett.
Die kommenden Quartale zeigen, wie schnell sich das ändert. Erst wenn Sangdong die Produktion hochfährt und die hohen Wolfram-Preise in dauerhafte Gewinne übersetzt, lässt sich beurteilen, ob die bereits eingepreisten Kurssteigerungen gerechtfertigt sind.
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