700 Millionen Dollar in einem Zug — und der Kurs bricht um fast 20 Prozent ein. Almonty Industries hat Freitag mit einer massiven Wandelanleihe-Emission den Markt aufgeschreckt. Hinter dem Kursrutsch steckt jedoch eine strategische Wette auf einen der kritischsten Rohstoffe der westlichen Welt.
700 Millionen für die Wolfram-Offensive
Almonty platzierte 2,25-prozentige Wandelanleihen mit Fälligkeit 2031 — und die Nachfrage überstieg das Angebot. Der Wandlungspreis liegt bei rund 27,40 US-Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von 32,5 Prozent auf den Schlusskurs vom 4. Juni entspricht. Der Nettoerlös beläuft sich auf rund 675,9 Millionen US-Dollar, könnte durch eine Mehrzuteilungsoption auf bis zu 772,7 Millionen steigen. Abschluss der Transaktion ist für den 9. Juni geplant.
Die Mittelverwendung ist klar aufgeteilt: Rund 83 Millionen fließen in sogenannte Capped-Call-Transaktionen, die eine Verwässerung der Aktionäre bis zu einem Kursdeckel von 41,36 US-Dollar begrenzen sollen. Weitere 50 Millionen dienen der Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten. Den Löwenanteil von rund 543 Millionen will das Unternehmen für Betriebskapital und allgemeine Unternehmenszwecke nutzen — einschließlich möglicher Akquisitionen.
Sangdong: 40 Prozent des globalen Westbedarfs
Der eigentliche Treiber hinter der Finanzierung ist die Sangdong-Wolframmine in Südkorea. Phase 1 wurde im März in Betrieb genommen und verarbeitet jährlich rund 640.000 Tonnen Erz — das entspricht etwa 2.300 Tonnen Wolframkonzentrat pro Jahr.
Für kommendes Jahr ist eine Phase-2-Erweiterung geplant, die die Verarbeitungskapazität auf 1,2 Millionen Tonnen verdoppeln und den Wolframausstoß auf rund 4.600 Tonnen steigern soll. Bei voller Auslastung könnte Sangdong etwa 40 Prozent der globalen Wolfram-Nachfrage außerhalb Chinas decken — ein erheblicher Anteil in einem Markt, der von chinesischen Lieferanten dominiert wird.
Kursrutsch trotz starkem Jahresverlauf
Die Aktie schloss Freitag bei 23,45 CAD, ein Tagesverlust von 18,43 Prozent. Auf Monatssicht summiert sich das Minus auf knapp 20 Prozent. Trotzdem: Seit Jahresbeginn steht noch ein Plus von fast 95 Prozent zu Buche, und gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 4,67 CAD hat sich der Kurs mehr als verfünffacht.
Analysten bleiben trotz des Einbruchs konstruktiv. Oppenheimer hob das Kursziel erst am 3. Juni auf 25,00 US-Dollar an und bestätigte die Einstufung „Outperform“. D.A. Davidson hält ebenfalls an einem Kursziel von 25,00 US-Dollar und einem „Buy“-Rating fest — beide sehen in der Sangdong-Expansion langfristig mehr Potenzial als kurzfristiges Verwässerungsrisiko.
Der RSI liegt aktuell bei 40,8, die annualisierte 30-Tage-Volatilität ist auf 96,5 Prozent gestiegen. Ob der Markt die Kapitalmaßnahme als Belastung oder als Fundament für den nächsten Wachstumsschritt einpreist, wird sich spätestens mit dem Abschluss der Transaktion am 9. Juni zeigen.
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