Rekordzahlen allein reichen Almonty gerade nicht. Der Wolframproduzent hat operativ das stärkste Quartal seiner Geschichte vorgelegt, die Aktie gibt trotzdem nach. Der Grund liegt weniger in den Zahlen selbst als in der Vorgeschichte: Nach einer massiven Rally nehmen viele Investoren Gewinne mit.
Am Freitag schloss die Aktie bei 24,02 CAD und verlor damit 4,68 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 10,64 Prozent.
Der größere Trend bleibt trotzdem auffällig stark. Seit Jahresbeginn liegt der Titel noch 99,67 Prozent im Plus, notiert aber inzwischen 25,10 Prozent unter dem jüngsten Hoch. Zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt ein Abstand von 57,69 Prozent.
Rekordquartal mit Schönheitsfehler
Im Auftaktquartal stieg der Umsatz um 221 Prozent auf 25,4 Millionen Dollar. Damit lag Almonty um 3,52 Prozent über den Erwartungen. Treiber war vor allem der deutlich höhere Spotpreis für Wolfram-APT, während die Panasqueira-Mine in Portugal operativ stark lief.
Wichtiger als der Umsatzsprung: Almonty erreichte ein bereinigtes EBITDA von 6,1 Millionen Dollar und einen operativen Cashflow von 9,7 Millionen Dollar. Die liquiden Mittel lagen zum Quartalsende bei 259,9 Millionen Dollar. Das gibt dem Unternehmen Spielraum für die nächsten Wachstumsschritte.
Der Nettoverlust fiel auf 5,3 Millionen Dollar. Je Aktie entsprach das einem Minus von 0,02 Dollar, deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum.
Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch nicht zahlungswirksame Bewertungseffekte. Dazu zählten 6,4 Millionen Dollar aus eingebetteten Derivaten sowie 2,0 Millionen Dollar aus Optionsschein-Verbindlichkeiten. Operativ ändert das wenig, bilanziell drückt es aber auf die Ergebniszeile.
Die Panasqueira-Mine lieferte dabei den klarsten Beleg für die bessere Ertragslage. Der operative Minengewinn sprang auf 13,0 Millionen CAD, nach nur 0,8 Millionen CAD ein Jahr zuvor.
Analysten bleiben konstruktiv
D.A. Davidson hält an der Kaufempfehlung fest und nennt ein Kursziel von 25,00 Dollar. Alliance Global erhöhte das Ziel sogar auf 26,25 Dollar nach zuvor 19,25 Dollar. Begründet wird das vor allem mit dem erwarteten Hochlauf von Sangdong und dem starken Preisumfeld.
Die Analystenstimmung bleibt damit freundlich. Acht Experten empfehlen die Aktie zum Kauf, Verkaufsempfehlungen gibt es aktuell keine. Das passt zum fundamentalen Bild, steht aber im Kontrast zur kurzfristigen Kursreaktion.
Auch die strategische Ausrichtung schiebt die Story an. Almonty rückt seine Wolfram-Aktivitäten näher an US-Verteidigungs- und Technologielieferketten heran und hat den Umzug des Firmensitzes von Toronto nach Dillon in Montana angekündigt.
Der Markt dafür bleibt angespannt. Wolfram-APT in Rotterdam verteuerte sich von rund 900 Dollar je Tonne auf mehr als 3.000 Dollar. Chinesische Exportkontrollen verknappen das Angebot, während die Nachfrage aus sicherheitsrelevanten Industrien steigt.
Hauptversammlung rückt näher
Am 9. Juni 2026 steht die Hauptversammlung in Toronto an. Auf der Agenda stehen unter anderem die Wahl von sieben Direktoren und die Prüfung der Ergebnisse für 2025.
Strategisch wichtiger ist die geplante Abstimmung über Phase 2 der Sangdong-Erweiterung. Bei Zustimmung könnte die Verarbeitungskapazität bis 2027 auf 1,2 Millionen Tonnen steigen. Damit würde Sangdong seine Rolle als eines der größten Wolframprojekte außerhalb Chinas ausbauen.
Bis zur Hauptversammlung bleibt die Aktie zwischen zwei Kräften gefangen: operativ bessere Zahlen und ein starker Wolframpreis auf der einen Seite, Gewinnmitnahmen nach einer extremen Rally auf der anderen. Der 9. Juni liefert den nächsten konkreten Prüfstein für die Wachstumsgeschichte.
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