Fast 34 Prozent unter dem Rekordhoch, dann plötzlich fast acht Prozent im Plus an einem einzigen Tag. Wer Almonty Industries diese Woche beobachtet hat, brauchte starke Nerven. Der Wolfram-Produzent zeigt gerade, wie eng sein Schicksal an den südkoreanischen Aktienmarkt gekoppelt ist – obwohl das eigentliche Geschäft gerade einen wichtigen Meilenstein erreicht hat.
Am Freitag springt die Aktie um 7,98 Prozent auf 22,46 kanadische Dollar. Am Donnerstag hatte der Kurs noch bei 20,80 CAD geschlossen, nach Tagen mit deutlichen Verlusten. Zum 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD vom April fehlen dem Titel weiterhin 32,65 Prozent.
Korea-Turbulenzen, nicht Unternehmensprobleme
Der Auslöser des Ausverkaufs lag nicht bei Almonty selbst. Südkoreas Leitindex KOSPI rutschte in einen Bärenmarkt, parallel dazu belastete eine Tech-Korrektur wegen KI-Kapazitätssorgen auch die Nasdaq. Almontys wichtigste Anlage, die Sangdong-Wolframmine, liegt in Südkorea – der Konzern bekommt lokale Marktstimmung damit direkt zu spüren, obwohl sein Rohstoffgeschäft global ausgerichtet ist.
Der 14-Tage-RSI war zwischenzeitlich unter die Marke von 40 gefallen, aktuell steht er bei 44,2. Das Bild bleibt zerrissen: Die Aktie liegt 11,50 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 25,38 CAD, gleichzeitig aber 20,19 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,69 CAD. Ein Muster, das zu einem Titel passt, der sich heftig um einen langfristigen Aufwärtstrend bewegt.
Auf Jahressicht bleibt die Bilanz beeindruckend: plus 86,70 Prozent seit Jahresbeginn, plus 188,69 Prozent binnen zwölf Monaten. Die Marktkapitalisierung liegt umgerechnet bei 3,78 Milliarden Euro.
Sangdong läuft an
Der eigentliche Grund für die Erholung liegt operativ. Am 1. Juli meldete Almonty den Start des Durchsatzbetriebs seiner Aufbereitungsanlage in Sangdong, in der Provinz Gangwon. Seit Juni speist das Unternehmen dort gelagertes Roherz durch die neu in Betrieb genommene Anlage – Sangdong wechselt damit von der Entwicklungsphase in den aktiven, umsatzgenerierenden Betrieb.
Der aktuelle Erzvorrat entspricht bei den vorherrschenden Wolframpreisen rund 2,6 Monaten Phase-1-Durchsatz. Der geschätzte Bruttowert dieses Vorrats liegt bei etwa 68 Millionen US-Dollar. CEO Lewis Black zeigte sich zufrieden, dass die Anlage nun läuft – in einem, wie er es nannte, äußerst günstigen Preisumfeld für Wolfram.
Wechsel an der Finanzspitze
Der operative Fortschritt fällt mit einem Führungswechsel im Finanzressort zusammen. Brian Fox hat seinen Posten als CFO mit sofortiger Wirkung verlassen. Almonty hat Jorge Beristain zum 1. Juni 2026 als neuen CFO berufen, Chief Development Officer Guillaume de Lamaziere überbrückte die Lücke als Interims-CFO.
Black kommentierte die Personalie so: Beristain sei genau der richtige Mann für die nächste Wachstumsphase, da Sangdong in diesem Jahr in die Umsatzgenerierung eintrete.
Buchhalterischer Verlust, solides Geschäft
Die Jahreszahlen 2025 erklären, warum der jüngste Kursrutsch stärker wirkte, als es das Kerngeschäft rechtfertigt. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 32,5 Millionen US-Dollar, nach 28,8 Millionen im Vorjahr. Im vierten Quartal legte der Umsatz sogar um 39 Prozent auf 8,7 Millionen Dollar zu.
Die Quartalsergebnisse trugen erhebliche nicht zahlungswirksame Buchhaltungsbelastungen. Grund war die Neubewertung bestimmter Finanzinstrumente nach IFRS, ausgelöst durch den starken Kursanstieg im Jahr 2025. Ohne diese Effekte lagen die operativen Ergebnisse im Rahmen der Erwartungen – die Panasqueira-Mine lieferte weiterhin stabiles Umsatzwachstum, gestützt durch steigende APT-Preise.
Wandelanleihe als Belastungsfaktor
Ein Teil der Kursschwankungen geht auf die große Kapitalaufnahme in diesem Jahr zurück. Almonty platzierte eine überzeichnete Wandelanleihe über 700 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 2,25 Prozent und Fälligkeit 2031. Das Geld sichert die langfristige Finanzierung des Wolfram-Ausbaus.
Die Aufnahme in einen Russell-Index und die Wandelanleihe haben Marktkapitalisierung und Liquidität wohl erhöht, so die Einschätzung von Marktbeobachtern. Gleichzeitig bringt die Anleihe ein potenzielles Verwässerungsrisiko durch künftige Wandlungen mit sich. Die Bewertungsspanne der Aktie hängt damit stark von drei Faktoren ab: realisierten Wolframpreisen, nachhaltigem Durchsatz in Sangdong und der tatsächlichen Verwässerung durch die Anleihe.
Mit Sangdong im Anlaufbetrieb und Wolframpreisen nahe Rekordniveau richtet sich der Blick nun auf den Quartalsbericht Mitte August 2026. Dort dürften sich detaillierte Angaben zur Wandelanleihe und erste belastbare APT-Preisdaten aus dem laufenden Betrieb finden.
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