Ein Wolfram-Produzent mit 246 Prozent Kursgewinn in zwölf Monaten sollte eigentlich Euphorie auslösen. Bei Almonty Industries mischt sich stattdessen Ernüchterung in die Bilanz. Die Aktie notiert rund 31 Prozent unter ihrem Jahreshoch — und das ausgerechnet in der Woche, in der die wichtigste Anlage des Unternehmens den Betrieb aufnimmt.
Am Freitag schloss der Titel bei 23,14 CAD, ein Plus von 4,00 Prozent zum Vortag. Der Wochenvergleich zeigt mit 0,61 Prozent kaum Bewegung. Auf Monatssicht aber steht ein Rückgang von 16,73 Prozent zu Buche.
Charttechnik zeigt abkühlende Dynamik
Der Kurs liegt aktuell 11,33 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 26,10 CAD. Zum Rekordhoch von 33,35 CAD, erreicht am 17. April 2026, beträgt der Abstand 30,61 Prozent. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt dennoch intakt: Zum 200-Tage-Durchschnitt von 18,34 CAD liegt die Aktie noch 26,14 Prozent im Plus.
Der 14-Tage-RSI von 43,4 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Die annualisierte Volatilität von 90,65 Prozent auf 30-Tage-Basis zeigt jedoch, wie heftig der Titel in beide Richtungen ausschlagen kann. Mit einem Jahresplus von 92,35 Prozent verdaut der Markt offenbar einen Lauf, der dem operativen Fortschritt am Flaggschiff-Projekt vorausgeeilt ist.
Vorstandsmitglieder erhalten Aktienvergütungen
Parallel zur Kursbewegung meldete Almonty mehrere Insidergeschäfte. Drei Vorstandsmitglieder — Daniel D’Amato, Gustave F. Perna und Mark Trachuk — erhielten am 1. Juli 2026 aktienbasierte Vergütungen. D’Amato bekam Deferred Share Units, Perna wandelte Restricted Share Units in Stammaktien um, Trachuk erhielt eine zusätzliche DSU-Zuteilung.
Alle drei Transaktionen liefen ohne Barzahlung und ohne Aktienverkäufe ab. Es handelt sich um reguläre Meldepflichten nach den australischen Börsenregeln, keine Insider verkauften während der Sperrfrist Anteile. Die zeitgleiche Meldung deutet auf eine geplante, gremienweite Vergütungsregelung hin statt auf einzelne Ermessensentscheidungen.
D’Amato hält nun 3.134 zusätzliche Deferred Share Units bei nil consideration. Über die Almonty Partners LLC kontrolliert er 4.731.817 Stammaktien, dazu weitere 6.762.613 Aktien indirekt. Perna wandelte 1.442 Restricted Share Units um und hält damit direkt 89.968 Stammaktien.
Zahlen belegen den operativen Umbruch
Der Kurssprung der vergangenen zwölf Monate fällt nicht zufällig in eine Phase massiver operativer Verbesserung. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 221 Prozent auf 25,4 Millionen US-Dollar. Treiber waren Rekordpreise für Wolfram sowie die Inbetriebnahme der Sangdong-Mine am 17. März 2026.
Der operative Cashflow drehte ins Positive: 9,7 Millionen US-Dollar im Quartal, nach einem negativen Wert im Vorjahreszeitraum. Zum 31. März 2026 verfügte Almonty über liquide Mittel von 259,9 Millionen US-Dollar bei einem Working Capital von 169,5 Millionen US-Dollar.
Der Nettoverlust schrumpfte deutlich von 34,6 Millionen auf 5,3 Millionen US-Dollar. Der Hauptgrund: Im Vorjahr hatte eine große, nicht zahlungswirksame Neubewertung von Warrant-Verbindlichkeiten das Ergebnis belastet. Für das Gesamtjahr 2025 wuchs der Umsatz um 13 Prozent auf 32,5 Millionen US-Dollar, nach 28,8 Millionen im Jahr davor.
Gestützt wird die Bilanz zusätzlich durch eine milliardenschwere Refinanzierung. Almonty platzierte erfolgreich wandelbare Senior Notes über 700 Millionen US-Dollar, die Emission war überzeichnet. Analysten bezeichneten die Kapitalspritze als außergewöhnlich groß gemessen an der damaligen Unternehmensgröße.
Sangdong-Hochlauf im Blick
Feste Termine für Quartalszahlen oder Aktionärstreffen stehen in den kommenden Tagen nicht an. Die Aufmerksamkeit dürfte sich deshalb auf den Produktionshochlauf in Sangdong richten — insbesondere darauf, wie sich Erzgehalte und Durchsatzmengen entwickeln, sobald die Anlage von gelagertem Material auf frisch gefördertes Untertageerz umstellt.
Charttechnisch bleibt spannend, ob der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 26 CAD bei einer Erholung als Widerstand wirkt, oder ob die Aktie zunächst Unterstützung nahe dem 200-Tage-Durchschnitt bei 18,34 CAD sucht. Die globale Preisentwicklung bei Wolfram und die fortgesetzten Bemühungen westlicher Regierungen, Lieferketten von China unabhängiger zu machen, bleiben die entscheidenden Einflussfaktoren für die Aktie.
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