Fast fünf Millionen Dollar schwer war der Aktienverkauf eines Almonty-Direktors Anfang Juli. Trotzdem schoss die Aktie des Wolfram-Produzenten am Freitag um 12,40 Prozent nach oben und schloss bei 23,38 CAD. Zwei Entwicklungen prallen hier aufeinander: massive Insider-Verkäufe und ein Kursfeuerwerk durch Indexaufnahmen.
Ein Direktor verkauft, der Kurs steigt trotzdem
Mark Trachuk, Direktor bei Almonty, trennte sich am 2. Juli von 200.000 Stammaktien zum Preis von 24,07 Dollar. Macht ein Volumen von 4,814 Millionen Dollar. Sein Anteil am Unternehmen schrumpfte dadurch um 7,4 Prozent.
Der Verkauf steht nicht allein. In den vergangenen 90 Tagen verkauften Insider bei Almonty Aktien im Nettowert von 227,6 Millionen Dollar. Allein Führungskräfte trugen 75,1 Millionen Dollar zu diesem Verkaufsdruck bei. Michael Lewis Black und Daniel D’Amato veräußerten größere Aktienpakete, zudem gab es angekündigte Verkäufe von verbundenen Parteien. Black kaufte zwischendurch aber auch für 1,5 Millionen Dollar zu.
Drei weitere Direktoren erhielten am 1. Juli Aktien als Vergütung. D’Amato bekam Deferred Share Units, Gustave Perna wandelte Restricted Share Units in Stammaktien um, und Trachuk erhielt zusätzliche DSUs. Bei allen drei Vorgängen floss kein Bargeld, Verkäufe waren nicht involviert. Diese Transaktionen zählen zum normalen Vergütungsgeschäft und haben mit den Direktverkäufen nichts zu tun.
Der eigentliche Kurstreiber: Russell-Indizes
Der Freitagssprung erklärt sich vor allem durch die Aufnahme von Almonty in den Russell 1000 und den breiter gefassten Russell 3000 Index. Solche Aufnahmen zwingen indexnachbildende Fonds zum Kauf der Aktie. Das erzeugt automatischen Kaufdruck, unabhängig von Unternehmensnachrichten.
Oppenheimer-Analyst Ian Zaffino hob sein Kursziel für Almonty kürzlich von 22 auf 25 Dollar an. Die Analystenabdeckung der Aktie hat mit steigendem Handelsvolumen und wachsender Indexsichtbarkeit spürbar zugenommen, wobei einzelne Datenanbieter unterschiedliche Konsensziele nennen.
Starkes Jahr, aber deutlich unter dem Hoch
Die Kennzahlen zeigen ein Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Höhenflug und Korrektur. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 94,35 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar über 200 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 33,35 CAD, erreicht im April, ist die Aktie aber knapp 30 Prozent entfernt.
Auch die kurzfristigen Trendindikatoren signalisieren Vorsicht. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 25,40 CAD, der 100-Tage-Durchschnitt bei 25,39 CAD — beide klar über dem Freitagsschluss. Der 200-Tage-Durchschnitt von 18,69 CAD bestätigt immerhin: Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Handelstage liegt bei fast 97 Prozent — ein Wert, der die Nervosität rund um die Aktie unterstreicht.
Wolfram bleibt ein kritischer Rohstoff für Rüstung, Panzerung und Elektronik. Geopolitische Spannungen haben die Preise für das Metall das ganze Jahr über gestützt — ein struktureller Rückenwind, der unabhängig von den Insider-Verkäufen wirkt.
Ausblick
Die nächsten Quartalszahlen erwartet der Markt Mitte August. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der Produktionshochlauf an der Sangdong-Mine tatsächlich Fahrt aufnimmt und wie sich die Cashflow-Situation entwickelt. Die Kombination aus Indexeffekt und hoher Rohstoffnachfrage liefert strukturellen Rückenwind — die Verkäufe der Insider bleiben trotzdem ein Belastungsfaktor für die Stimmung.
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